JAHRESTAGUNG
JAHRESTAGUNG
19. und 20. Mai 2026 in den Stadtsälen Bernlochner in Landshut
© BZT
Wie kann sich der bayerische Tourismus im Spannungsfeld globaler Entwicklungen und regionaler Identität zukunftsfähig aufstellen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der fünften Jahrestagung des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) am 19. und 20. Mai 2026 in Landshut. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten aktuelle Herausforderungen, internationale Trends und konkrete Zukunftsperspektiven für den Tourismusstandort Bayern.





„Viele Voraussagen über die Zukunft sind in der Vergangenheit nicht eingetreten“, so Dr. Alexander Fink, Gründer und Vorstand der ScMI Scenario Management International AG. Der Zukunftsforscher – oder genauer Entwickler von Zukunftsszenarien – machte damit gleich zu Beginn der Jahrestagung deutlich, dass heute sichtbare Trends oft nicht das sind, was die Zukunft wirklich prägen wird. Klar ist aber: Megatrends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, demografischer Wandel und veränderte Reisegewohnheiten prägen die Reisebranche zunehmend. Gleichzeitig steigen damit die Anforderungen an Regionen und Betriebe, sich strategisch resilient und flexibel aufzustellen.
Um Antworten auf die Auswirkungen globaler Entwicklungen, auf die sich verändernde Nachfrage, die künftige Angebotsgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit zu finden, müssten „ausgetretene Pfade verlassen werden und Szenarien erarbeitet werden, die unterschiedliche Entwicklungen frühzeitig mitdenken“, so Fink. Und genau das unterstrich die BZT-Jahrestagung und zeigte mit Keynotes, Impulsvorträgen und Workshop-Formaten: Neue Angebote entstehen insbesondere in der Verbindung internationaler Trends mit regionaler Authentizität und vielfach auf Basis von Kooperation.
Zukunftsforscherin Anja Kirig verwies in ihrem Vortrag auf die zunehmende Verwobenheit globaler Krisen. Für den Tourismus bedeute dies einen grundlegenden Perspektivwechsel: Weg vom reaktiven Handeln, hin zu einer aktiven Gestaltung von Lebensraumqualität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Die wirtschaftliche Relevanz internationaler Gäste unterstrich Matthias Hickl von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT): Mit rund 20,6 Millionen internationalen Übernachtungen behauptete Bayern 2025 erneut seine Spitzenposition unter den Bundesländern. Besonders gefragt seien Städtereisen und Eventangebote.
Barbara Radomski, Geschäftsführerin der Bayern Tourismus Marketing GmbH, hob die Bedeutung gemeinsamer Strategien hervor: „Resilienz entsteht nicht im Alleingang, sondern im Zusammenspiel aller Akteure.“ Kooperationen zwischen Regionen, Betrieben, Politik und weiteren Partnern seien „entscheidend für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“.

Nach den Vorträgen waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in interaktiven Sessions dann selbst gefragt und diskutierten konkrete Zukunftsansätze für unterschiedliche Tourismussegmente. Dabei wurden unter der Überschrift „Chancen und Risiken des bayerischen Tourismus zwischen Globalisierung und Regionalität“ zentrale Fragestellungen zu Zielgruppen, Märkten, Herausforderungen und möglichen Maßnahmen erörtert.
Mithilfe eines einheitlichen Fact Sheets und gleicher Fragestellungen wurden die Diskussionspunkte innerhalb der einzelnen Gruppen für die Marktsegmente Kultur- und Bildungstourismus, Natur- und Aktivtourismus, Gesundheits-, Kur- und Wellnesstourismus, Events- und Großveranstaltungen sowie Kulinarik und Tourismus erarbeitet.
Die Ergebnisse haben wir strukturiert und zusammengefasst. Sie bieten erste Ansatzpunkte und Handlungsimpulse für künftige Projekte und Maßnahmen der Wissenschaft und Praxis und können den Teilnehmenden und Nicht-Teilnehmenden der Jahrestagung als Inspiration dienen.
In dieser Session wurden die Megatrends nicht einzeln bewertet. Grundsätzlich sind v. a. folgende Trends für diesen Bereich relevant:
Eine stärkere Internationalisierung wird grundsätzlich als notwendig erachtet, allerdings differenziert und im Sinne eines qualitativen Wachstums. Neben etablierten internationalen Märkten (z. B. europäische Nachbarländer, USA, China) sind und bleiben der deutsche Markt sowie der DACH-Raum zentral. Entscheidend ist dabei eine bessere Diversifizierung der Zielgruppen sowie die Ausrichtung auf wertschöpfungsstarke Gäste. Diese Gäste bringen allerdings höhere Erwartungen an Service, Digitalisierung, Mehrsprachigkeit und Individualisierung mit sich.
Der zentrale Erfolgsfaktor über alle Themenbereiche hinweg ist die Authentizität Bayerns: Natur, Kultur, Kulinarik, Lebensart und Gastfreundschaft. Die zentrale Herausforderung besteht darin, globale Trends und internationale Anforderungen so zu „übersetzen“, dass regionale Identität und Akzeptanz erhalten bleiben. Erfolgreich sind Angebote, die Tradition bewahren und zugleich modern interpretieren (z. B. neue Kulturformate, nachhaltige Naturerlebnisse, innovative Kulinarik oder moderne Gesundheitsangebote).
Als wichtigste Handlungsfelder zeichnen sich ab:
„Das Besondere an dieser Jahrestagung war sicherlich, dass hier Experten verschiedener Disziplinen auf Augenhöhe ganz offen miteinander diskutieren konnten – und so konkrete Impulse für die strategische Weiterentwicklung touristischer Angebote entstanden sind“, fasst Dr. Michael Braun, Teilnehmer und geschäftsführender Vorstand des Tourismusverbands Ostbayern, den Workshop-Teil zusammen. Auch Stefan Egenter, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, sieht in dem interaktiven Teil der Jahrestagung „einen echten Mehrwert für die bayerische Tourismusbranche“.

Am zweiten Tag der Tagung unterstrichen Prof. Georg Christian Steckenbauer und Prof. Erik Lindner von der Technischen Hochschule Deggendorf im Bereich Gesundheitstourismus, dass ein international wachsender Markt zunehmend nach authentischen, lokal verankerten Angeboten verlangt. Erfolgreiche Konzepte entstünden dort, „wo globale Trends überzeugend regional interpretiert werden“.
Diana Sicher-Fritsch, Fritsch am Berg GmbH, verdeutlichte anhand ihres Hotels, dass mentale Gesundheit als Wachstumsfeld im Tourismus stark an Bedeutung gewinnt. Erfolgreich seien vor allem „authentische, ganzheitliche und präventive Konzepte, die sich an realen Bedürfnissen der Gäste orientieren“.
Im Bereich Kulinarik machte Christine Schäfer vom GDI Gottlieb Duttweiler Institute deutlich, dass Esskultur ein komplexes Zusammenspiel aus Genuss, Gemeinschaft, Gesundheit und regionaler Verwurzelung darstellt. Innovationen setzten sich vor allem dann durch, „wenn sie an bestehende kulturelle Muster anschließen“.
Tim Plasse, F&B Heroes GmbH, ergänzte, dass gastronomische Konzepte künftig stärker auf veränderte Konsumgewohnheiten reagieren müssen. Erfolgreich seien „glokale“ Ansätze, die internationale Trends aufnehmen, ohne die regionale Identität zu verlieren. Entscheidend sei, „Tradition nicht nur zu bewahren, sondern aktiv weiterzuentwickeln und zeitgemäß erlebbar zu machen“.
Für den Kulturtourismus betonte Dr. Martin Spantig vom Kooperationsprojekt Denkmalschutz, Museum, Tourismus und Lebenswelt, „dass Museen ihre Kommunikation konsequent aus Besucherperspektive denken und stärker in digitale Plattformen sowie touristische Netzwerke integrieren müssen“.
Stefan Patermann von der Lufthansa AG zeigte am Beispiel eines kürzlich eingeführten Stopover-Programms am Drehkreuz München, wie durch die gezielte Verknüpfung von Mobilität und touristischen Angeboten zusätzliche internationale Gäste für Bayern gewonnen werden können. Um dies zu forcieren, sei „eine enge Vernetzung zwischen Airline, Flughafen und Tourismusakteuren erforderlich“.

„Der bayerische Weg im (globalen) Wettbewerb“
Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

Den Schlusspunkt der Tagung setzte Hubert Bittlmayer, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus. Er betonte die Bedeutung eines eigenständigen bayerischen Profils im internationalen Wettbewerb: „Bayerns Stärke liegt in der Verbindung von Identität, Qualität und Innovationskraft. Heimat ist kein Produkt, sondern das Kapital.” Die Jahrestagung machte deutlich: Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo internationale Trends aufgegriffen werden, ohne die eigene Identität aus dem Blick zu verlieren. Prof. Alfred Bauer fasste zusammen: „Erfolgreicher Tourismus in Bayern wird künftig dort entstehen, wo Authentizität, Kooperation und Innovationsfähigkeit zusammenkommen – und wo Gästeerwartungen und Lebensraumqualität gleichermaßen konsequent mitgedacht werden.“


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