ONLINE-FORUM

Kulinarik als Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor im Tourismus

live am 5. Mai 2026 I 10.00 bis 11.30 Uhr

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Unsere Gäste

Ein lächelnder Mann mit Glatze und Bart, der eine blaue Anzugsjacke und einen schwarzen Rollkragenpullover trägt, steht vor einem weißen Hintergrund mit blauem Text.

Dr. Daniel Kofahl

Gründer, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Berater

APEK | Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur

Eine Frau mit kurzen schwarzen Haaren und braunen Augen lächelt in die Kamera. Sie trägt einen dunkelblauen Blazer über einem weißen Hemd und eine silberne Halskette.

Mag. Dr. Stephanie Tischler

Dozentin am Institut Tourismus

IMC Krems University of Applied Sciences Krems

Ein lächelnder Mann mit Brille, Schnurrbart und einem kurzen Bart trägt ein dunkles Hemd und einen kastanienbraunen Blazer. Er steht in einem Innenraum vor einer Glaswand mit fetter, teilweise sichtbarer Schrift und warmen Hängelampen im Hintergrund.

Wolfgang Wagner

Prokurist und Leiter strategische Entwicklung

Bayern Tourismus Marketing GmbH

Ein Mann mittleren Alters mit heller Haut, kurzen hellbraunen Haaren, einem Bart und einer Brille trägt ein dunkles Hemd und schaut vor einem schlichten weißen Hintergrund direkt in die Kamera.

Norbert Heimbeck

Geschäftsführer

Genussregion Oberfranken e. V.

Eine lächelnde Person mit kurzen grauen Haaren steht in der Abenddämmerung draußen und trägt ein gemustertes ärmelloses Oberteil. Unscharfe, bunte Lichter und ein sanfter blauer Himmel schaffen einen warmen, entspannten Hintergrund.

Nicoletta Brambilla

Journalistin und Gastgeberin

Cesarine – Slow Food Community

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Die Konferenz im Überblick

Kulinarik ist längst mehr als nur reines Beiwerk im Urlaub: Sie vermittelt regionale Identität, prägt Erinnerungen und ist ein zentraler Erfolgsfaktor für touristische Destinationen. Beim dritten Online-Dialog diskutierten unter der Moderation von Prof. Dr. Marco A. Gardini (Bayerisches Zentrum für Tourismus) Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, wie Essen und Trinken gezielt als Wettbewerbsfaktor im Tourismus eingesetzt werden können – und warum kulinarische Erlebnisse das Reiseerlebnis maßgeblich prägen. Die regionale Genussdatenbank Oberfrankens wurde von der UNESCO sogar als „Best Practice“-Beispiel zum Erhalt immateriellen Kulturerbes ausgezeichnet.

Kulinarik als kulturelle Übersetzungsleistung

Einen kultursoziologischen Blick auf das Thema warf Dr. Daniel Kofahl. Kulinarik habe historisch die Funktion, soziale und kulturelle Komplexität zu reduzieren. „Essen transformiert die Vielschichtigkeit einer Region in konsumierbare, erzählbare Formen“, so Kofahl. Der Tourismus könne über Speisen Identität kommunizieren, ohne diese festzuschreiben. Gerade diese Offenheit mache Kulinarik zu einem wirkungsvollen Medium. Besonders erfolgreich seien Destinationen, die ihre Traditionen anschlussfähig halten. Tradition sei „keine Konserve, sondern verlangt kontinuierliche Pflege und Anpassung an eine sich wandelnde soziokulturelle Umwelt“, so Kofahl. Regionale Kultur sei damit eine Form „kultureller Care-Arbeit“. Die Herausforderung liege darin, Bewahren und Modernisieren zugleich zu leisten – etwa im Spannungsfeld von Genuss und Gesundheit, zwei zentralen Axiomen zeitgemäßer Ernährung.

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Essen im Urlaub: unverzichtbar und erinnerungsstark

Aktuelle Studien belegen die hohe Bedeutung von Kulinarik im Tourismus: Laut der bevölkerungsrepräsentativen BZT-Studie „Wie Deutschland essen geht“ messen 41 Prozent der Urlaubsgäste dem kulinarischen Angebot in einer Region im Rahmen der Reiseentscheidung eine (sehr) große Bedeutung bei.  Auch Befragungen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zeigen, dass landestypische Spezialitäten für die Mehrheit der Gäste ein zentraler Bestandteil des Urlaubserlebnisses sind. So gaben 68 Prozent der Befragten 2025 an, im Urlaub regionale Spezialitäten genossen zu haben. Regionale Speisen, Getränke und der Einkauf auf lokalen Märkten tragen wesentlich zur Wahrnehmung und Bewertung einer Destination bei.

„Kulinarik ist zwar nur selten der primäre Reiseanlass, aber sie ist Bestandteil jeder Reise – und damit immer Teil der Reiseentscheidung“, betonte Wolfgang Wagner. Der kulinarische Genuss sei „ein zentraler Imagefaktor im touristischen Bayernbild und ein wichtiger Träger des bayerischen Lebensgefühls“.

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Warum kulinarische Erlebnisse nicht am Teller enden

Dass kulinarische Urlaubserlebnisse weit über das Essen hinausgehen, zeigte Dr. Mag. Stephanie Tischler. Zwar reisen nur etwa 15 bis 20 Prozent der Gäste primär wegen Kulinarik nach Österreich, doch Essen und Trinken prägen Urlaubserinnerungen besonders stark. Grundlage dafür ist die sogenannte „Memory-Dominant Logic“: Erlebnisse bleiben dann besonders gut im Gedächtnis, wenn sie emotional, ganzheitlich und sinnlich gestaltet sind.

Kulinarische Angebote wirken dabei in sogenannten „Experience Scapes“ – ganzheitlich gestalteten Erlebnisumfeldern, die physische, sensorische, soziale, kognitive und zeitliche Aspekte miteinander verbinden. Essen und Trinken bieten ein besonders hohes Erholungspotenzial, da sie sich leicht mit restaurativen Elementen kombinieren lassen, etwa durch eine stimmige Umgebung, authentischen Service, überzeugendes Storytelling und das bewusste Entschleunigen. Dabei zeige sich, dass kulinarische Erlebnisse nicht nur die Zufriedenheit steigern, sondern auch die Erholungs- und Erinnerungsqualität sowie zukünftige Verhaltensabsichten wie Empfehlungen oder Wiederholungskäufe beeinflussen.

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Auszeichnung der UNESCO zum Erhalt immateriellen Kulturerbes

Wie Kulinarik zur tragenden Säule regionaler Identität werden kann, verdeutlichte Norbert Heimbeck. In einem Netzwerk aus Erzeugern, Verarbeitern, Gastronomie und Tourismus wurden über 320 regionale Spezialitäten erforscht und dokumentiert. Eine zentrale Genussdatenbank, die im Frühjahr 2027 zur öffentlichen Nutzung freigegeben wird, dient dabei als Plattform für Betriebe und als Grundlage für touristische Kommunikation. Kulinarik wird so zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Die Arbeit zum Erhalt der oberfränkischen Spezialitätenvielfalt wurde bereits vor rund zehn Jahren von der UNESCO als „Best Practice“-Beispiel ausgezeichnet.

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Kulinarik als internationale Sprache

Ein internationales Beispiel stellte Nicoletta Brambilla mit dem italienischen Netzwerk „Cesarine“ vor. Über 1.500 Gastgeberinnen in 450 Orten laden Gäste in ihre privaten Küchen ein, um gemeinsam zu kochen, zu essen und ins Gespräch zu kommen. Als von Slow Food anerkanntes Netzwerk verbindet Cesarine kulinarische Tradition mit sozialer Offenheit – jährlich nehmen rund 50.000 Gäste an mehr als 2.000 Veranstaltungen teil. „Kulinarik ist die neue internationale Sprache“, so Brambilla. Eine Sprache, „die Menschen zusammenbringe und kulturelle Barrieren mühelos überwindet“.

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Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich: Kulinarik entfaltet ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie strategisch kommuniziert und kooperativ umgesetzt wird. „Kommunikation ist der wichtigste Hebel“, resümierte Dr. Daniel Kofahl. Dr. Mag. Stephanie Tischler plädierte für destinationsspezifische Authentizität und klar abgestimmte Angebote, Wolfgang Wagner für ein ganzheitliches regionales Identitätserlebnis. Trotz bestehender Herausforderungen im Kooperationsmanagement seien alle Beteiligten in der Verantwortung, kulinarisches Potenzial gemeinsam weiterzuentwickeln. Am Ende entschieden „nicht nur Sehenswürdigkeiten darüber, wie und wohin wir reisen – sondern auch die Momente, die uns auf verschiedenen Ebenen emotional berühren“, so Prof. Dr. Marco. A. Gardini. Orte könne man nicht nur sehen, „sondern auch schmecken“.  Und genau dieser Zugang macht Kulinarik zu dem Gesicht einer Region.

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