GEFÖRDERTES PROJEKT 2024/2025

Schlagworte: Gesundheitstourismus, Kur-und Heilwälder

Identifikation von Geschäftsmodellen für den nachhaltigen Wald-Gesundheitstourismus in zertifizierten Kur- und Heilwäldern Bayerns

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Das Projekt „Identifikation von Geschäftsmodellen für den nachhaltigen Wald-Gesundheitstourismus in zertifizierten Kur-und Heilwäldern Bayerns“ verfolgt das Ziel, die (Weiter-)Entwicklung von tragfähigen und praxisorientierten Geschäftsmodellen für eine gesundheitsorientierte Nutzung des Waldes zu unterstützen. Vor dem Hintergrund einer steigenden gesellschaftlichen Nachfrage nach naturbasierten Erholungs-und Präventionsangeboten braucht es Konzepte, die ökologisch verantwortungsvoll, wirtschaftlich tragfähig und sozial akzeptiert sind. Gleichzeitig müssen sie an die spezifischen Rahmenbedingungen bayerischer Kur-und Heilwälder angepasst sein, zur Stärkung ländlicher Regionen und zur Professionalisierung touristischer Strukturen beitragen sowie die langfristige Resilienz der Waldökosysteme mitberücksichtigen.

Methodisch folgt das Vorhaben einem iterativen Design. Entgegen der ursprünglichen Planung wurde die operative Pilotierung im Feld zugunsten einer konzeptionellen Validierung zurückgestellt, da die strategische Vorarbeit Vorrang vor der praktischen Umsetzung erhalten musste. Eine Desk-Research-Phase analysierte internationale und nationale Nutzungskonzepte, waldbezogene Gesundheitswirkungen, Ökosystemleistungen sowie bestehende Geschäftsmodellansätze. Ergänzend wurden 26 leitfadengestützte Experten-und Stakeholderinterviews mit Akteuren aus Tourismus, Forst, Gesundheit, Kommunen und Praxis durchgeführt. Eine explorative Befragung unter den Stakeholdern in bayerischen Kur-und Heilwälder (n = 7) lieferte zusätzliche Informationen zu Angebotsstrukturen, Nutzungsvereinbarungen, Herausforderungen und Entwicklungsbedarfen. Ein praxisorientierter Workshop mit drei Modellregionen nutzte Design-Thinking-Methoden, um die Ergebnisse zu validieren.

Die Analyse zeigt, dass in den bayerischen Kur-und Heilwäldern bereits vielfältige waldbezogene Gesundheits-und Erlebnisangebote existieren, darunter Präventionskurse, Kompaktkuren, waldpädagogische Formate, Bildungsurlaube und Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung. Diese Angebote weisen durchweg eine hohe inhaltliche Qualität auf, haben allerdings deutliche Defizite in ihrer Marktfähigkeit. Die Entwicklungspotenziale liegen nicht primär in der Produktgestaltung, sondern in der strukturellen, kommunikativen und organisatorischen Weiterentwicklung. Waldgesundheit kann in vielen Destinationen künftig klar institutionell verankert, strategisch priorisiert und einheitlich kommuniziert werden, wodurch sie besser auffindbar werden. Die (zu) geringe Sichtbarkeit, fehlende Zielgruppen-Orientierung und mangelnde Zielgruppen-Ansprache sowie die bisher unzureichende Vernetzung relevanter Akteure erschweren die Überführung der Angebote in wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle.

Einige Angebote erzielen noch keinen ausreichenden Umsatz und bringen deshalb zu wenig wirtschaftlichen Nutzen. Aktuell werden diese Angebote vor allem als Zusatzangebote für Gäste vor Ort vermarktet und basierend auf einer Mischfinanzierung. Um wirtschaftlich tragfähige Produkte zu etablieren, sind strukturelle Veränderungen notwendig, dazu zählen faire Vergütungsstrukturen, klar definierte Mindestteilnehmerzahlen, transparente Vereinbarungen mit Waldbesitzenden sowie Kooperationen mit Beherbergungsbetrieben, Kliniken und Unternehmen. Eine Säule, um langfristig Stabilität zu erreichen, können insbesondere krankenkassenfähige Präventionsangebote bilden. Diese setzen jedoch verbindliche Qualitätsstandards, Evidenzbasierung der Angebote, Professionalisierung und zielgruppenadäquate Kommunikation voraus.

Auf Governance-und Stakeholderebene wurden fehlende Koordinationsstrukturen als zentrale Stellschraube identifiziert. Erfolgreiche Entwicklungsprozesse erfordern professionelles Projektmanagement, das Abläufe steuert, Akteure vernetzt, Konflikte moderiert und Qualitätssicherung gewährleistet. “Es braucht eine zentrale Stelle für Weiterentwicklung und Kommunikation” (Interview 6), eine klare Rollenverteilung, “eine Steuergruppe mit Experten” (Interview 16), sowie die frühzeitige Einbindung von Kommunen, Forst, Waldbesitzenden, Gesundheitsakteuren und Tourismusorganisationen (z. B. Interview 4, 5, 7, 23) sind dabei essenziell. Ohne diese Strukturen bleiben Angebotsentwicklung, Vermarktung und Umsetzung fragmentiert und abhängig von Einzelpersonen.

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Fazit

Die Projektergebnisse weisen insgesamt darauf hin, dass der weitere Ausbau des Wald-Gesundheitstourismus einen strategisch integrierten Ansatz benötigt, der institutionelle Verankerung, Kommunikation, Marktfähigkeit und Kooperation gleichermaßen umfasst. Als primäre Handlungsempfehlung gilt die Entwicklung eines präzise positionierten, marktfähigen Kernprodukts. Dieses muss die derzeit fragmentierten Formate bündeln, klar definierte Zielgruppen adressieren und als Leitangebot fungieren. Die Auswertung der Best-Practice Recherchen und Experteninterviews definiert die Anforderungen an das Produkt. Dieses muss zwingend evidenzbasiert sein, eine hohe Erlebnisqualität aufweisen und modular aufgebaut sein, um eine Übertragbarkeit auf unterschiedliche regionale Rahmenbedingungen zu gewährleisten.

Zudem bedarf es einer stärkeren institutionellen Verankerung des Themenfelds in den Destinationen. Waldgesundheit muss als strategischer Kernbestandteil touristischer Entwicklungs-und Marketingprozesse verstanden werden, gestützt durch lokalen Entscheider, mit klaren Verantwortlichkeiten und angemessene Ressourcen. Diese Verankerung ist die Voraussetzung, um Kooperationen zu festigen und bestehende Angebote systematisch weiterzuentwickeln.

Die Kommunikation stellt einen kritischen Erfolgsfaktor dar. Wesentliche Impulse können in der Präsentation und Vermarktung bestehender Angebote gesetzt werden. Eine konsistente, evidenzorientierte und zugleich verständliche Kommunikation ist notwendig, um das gesundheitliche und erlebnisbezogene Nutzenversprechen präzise herauszustellen. Dies umfasst ein professionelles Wording, die digitale Sichtbarkeit, eine klare Zielgruppenansprache und eine strikte Abgrenzung von unwissenschaftlichen Begriffen.

Darüber hinaus zeigt sich, dass Produktüberarbeitung erst nach der Etablierung funktionsfähiger Governance-Strukturen sinnvoll wird. Vor der Modifikation von Angeboten müssen Rollen, Abläufe und Kooperationsmodelle verbindlich definiert sein. Ein fundiertes Projekt-und Netzwerkmanagement bildet hierfür die Grundlage, indem es Prozesse moderiert und die langfristige Qualitätssicherung gewährleistet.

Die Ergebnisse belegen, dass eine nachhaltige Entwicklung zielgruppenadäquate, evidenzbasierte Angebote erfordert, die auch emotionale Aspekte integrieren. In Kombination mit hybriden Finanzierungsmodellen, institutionalisierter Zusammenarbeit und professioneller Kommunikation bilden diese die Voraussetzung für wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle in bayerischen Kur-und Heilwäldern.

Implikationen aus wissenschaftlich-analytischer Perspektive

Bisherige wissenschaftliche Analysen in diesem Feld erfolgten primär aus gesundheitswissenschaftlicher Perspektive. Die positiven gesundheitlichen Wirkungen sind hinreichend dokumentiert und für die Produktentwicklung aufbereitet (Schuh & Immich, 2019). Die Definition von Kriterien für die Auszeichnung von Kur-und Heilwäldern in Bayern (Immich et al., 2022) war dementsprechend ein notwendiger Schritt zur Etablierung therapeutischer Räume. Eine wirtschaftswissenschaftliche Analyse hinsichtlich ökonomisch nachhaltiger Produkte fehlt jedoch weitgehend. Das vorliegende Projekt identifiziert Defizite in bestehenden Ansätzen und definiert Maßnahmen zu deren Behebung. Zur Beurteilung der langfristigen ökonomischen Tragfähigkeit der Angebote im Wald-Gesundheitstourismus müssen indirekte Effekte in der Region, wie die Verlängerung der Aufenthaltsdauer und die Imagestärkung über längere Zeiträume analytisch erfasst werden. Auch in der Entwicklung der Produkte und der Umsetzung vor Ort scheint bisher wenig Fokus auf Aspekten der Wirtschaftlichkeit zu liegen. Dies birgt das Risiko, dass der Fortbestand von Produkten und Angeboten mittelfristig nicht gesichert und ihre wirtschaftliche Nachhaltigkeit damit nicht gegeben ist.

Implikationen aus anwendungsorientierter Perspektive

Die Entwicklung und Umsetzung von Angeboten im Bereich Wald-Gesundheitstourismus ist mit erheblichem Aufwand für die Destination verbunden, insbesondere in Bezug auf den notwendigen Kompetenzaufbau und die komplexen Zertifizierungsverfahren. Angesichts dieser Ressourcenintensität ist die Klärung strategischer Grundsatzfragen zwingend erforderlich, noch bevor physische oder finanzielle Investitionen getätigt werden. Als ein zentrales Ergebnis dieses Projekts wurden detaillierte Unterlagen zusammengestellt, die im Anhang als gesonderte Handreichungen aufgeführt sind. Diese dienen explizit dazu, die in diesem Projektbericht dargestellten strategischen Handlungsfelder strukturiert vorzubereiten.

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Projektverantwortung

Projektleitung: Prof. Dr. Georg Christian Steckenbauer, MSc. (Professor Economy Tourism Management, Technische Hochschule Deggendorf, European Campus Rottal-Inn)
Projektpartner: Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, Bayerische Heilbäder-Verband e. V. / Gesundes Bayern Tourismus Marketing GmbH

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Projektbericht

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