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Schlagworte: Kulturtourismus, Architekturtourismus, Städtetourismus

Kulturtourismus – eine Literaturübersicht

Von Kathrin John, 5. März 2026

© iStock.com/AzmanL

Die definitorische Abgrenzung des Kulturtourismus ist von Komplexität geprägt, da das Reisen per se in kulturelle Zusammenhänge eingebettet ist. Lässt sich Kulturtourismus über Reisemotive, über spezifische Reiseaktivitäten, wie den Besuch kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen, oder etwa über die kulturelle Tiefe von Reiseerlebnissen beschreiben? Die Literaturübersicht greift diese begriffliche Unschärfe auf, skizziert zentrale Definitionsansätze und gibt einen Einblick in die Vielfalt des Kulturtourismus: die Ausprägungen der Tourismusform an sich sowie des kulturtouristischen Angebots, zentrale Elemente des kulturellen Reiseerlebnisses und die Charakteristika und Heterogenität von Kulturtouristinnen und -touristen. Ein Blick auf aktuelle Markttrends und BZT-Studienergebnisse verdeutlicht schließlich die Relevanz dieses dynamischen Branchenbereichs für den Deutschlandtourismus.

Kultur und Tourismus – Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Kultur und Tourismus sind seit jeher eng miteinander verflochten: Kulturelle Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und Veranstaltungen fungieren als zentrale Motivatoren für das Reisen, während das Reisen selbst zum Austausch und Entstehen von Kultur beiträgt (Benhaida et al., 2024; Richards, 2018). Diese Beziehung zwischen Kultur und Tourismus wurde erst in den vergangenen Jahrzehnten als eigenständige Konsumform wahrgenommen und unter dem Begriff des Kulturtourismus gefasst (Antz, 2020; Richards, 2018). In Anlehnung an Du Cros und McKercher (2020) zählt Kulturtourismus zu den ältesten Formen des Special-Interest-Tourismus, welcher vorliegt, wenn die Motivation und das Entscheidungsverhalten von Reisenden maßgeblich durch ein spezifisches Sonderinteresse bestimmt sind (Weiler & Hall, 1992). Hausmann (2019) betont ferner die impulsgebende Rolle, die der Kulturtourismus für die touristische Branche einnimmt sowie das Wachstumspotenzial des kulturtouristischen Branchenbereichs. Dieses Potenzial liegt insbesondere darin begründet, dass sich der Kulturtourismus durch eine hohe Kombinierbarkeit mit anderen Reiseformen, wie unter anderem dem Geschäfts-, Gesundheits- oder Wellnesstourismus, auszeichnet und somit zahlreiche Facetten annehmen kann (Dreyer, 2020; Hausmann, 2019).

Ausgehend von der Annahme, dass sich kulturelle Dimensionen des Reisens bereits durch das Verlassen des Heimatortes manifestieren (Du Cros & McKercher, 2020), ist der Kulturtourismus in seiner definitorischen Abgrenzung und Bedeutung jedoch nach wie vor von einer konzeptionellen Unschärfe geprägt (Du Cros & McKercher, 2020; Noonan & Rizzo, 2017). Ferner unterliegt sowohl der Begriff der Kultur als auch der des Kulturtourismus einem kontinuierlichen Wandel, was eine definitorische Konkretisierung erschwert (Barbieri & Mahoney, 2010; Dreyer, 2020; Steinecke, 2007). Auch Steinecke (2007) betont die Herausforderung, den Kulturtourismus von anderen Reiseformen trennscharf abzugrenzen. Laut Richards (2018) zeichnet sich Kulturtourismus insbesondere durch einen verstärkten Fokus auf die soziale und kulturelle Auseinandersetzung und Interaktion mit dem besuchten Ort aus. Dennoch sind die im Kulturtourismus involvierten Anbieter und Nachfrager, touristischen Produkte, Wirtschaftsräume sowie deren Historie von Heterogenität geprägt, was bedingt, dass sich bislang keine allgemeingültige Definition etablieren konnte (Antz, 2020).

Dennoch bestehen in der Literatur verschiedene Ansätze, um die Begrifflichkeit des Kulturtourismus, die Charakteristika von Kulturtouristinnen und -touristen sowie das kulturtouristische Angebot definitorisch einzugrenzen und greifbar zu machen (Antz, 2020). Antz (2020) unterstreicht, dass sich angebots- als auch nachfrageseitig ein nuanciertes Bild des Kulturtourismus zeichnen lässt, da er grundsätzlich alle Reisen impliziert, welche Kultur als Primär- oder Sekundärmotiv beinhalten. Dieser Auffassung ist auch Hausmann (2019), die unterstreicht, dass Kulturtourismus den Tages- als auch Übernachtungstourismus impliziert, „bei dem das Haupt- oder ein Nebenmotiv der auswärtigen Gäste darin besteht, das kulturelle Erbe bzw. Angebot einer Destination zu nutzen“ (Hausmann, 2019, S. 12).

Antz (2020) beschreibt den Kulturtourismus wie folgt:

„Unter Kulturtourismus versteht man Reisen, bei denen meist historische Artefakte persönlich und vor Ort als Original erlebt werden. Als Reisemotiv gelten die Besichtigung historisch bedeutsamer Bauten, Orte, Städte und Landschaften sowie der Besuch von herausragenden kulturellen Sammlungen, Veranstaltungen und Bräuchen. Beim Kulturtourismus im engeren Sinn ist die Kultur das Hauptmotiv, im weiteren Sinn ein Aspekt der Reiseentscheidung. Die überlieferte Authentizität des Angebots und die Alleinstellung aus Nachfragesicht sind die hauptsachlichen Erfolgsfaktoren kulturtouristischer Wertschöpfung.“

(Antz, 2020, S. 3)

Die Begriffsdefinition der World Tourism Organization (UN Tourism) rückt insbesondere die materiellen und immateriellen Dimensionen des Kulturtourismus in den Fokus:

“A type of tourism activity in which the visitor’s essential motivation is to learn, discover, experience and consume the tangible and intangible cultural attractions/products in a tourism destination. These attractions/products relate to a set of distinctive material, intellectual, spiritual and emotional features of a society that encompasses arts and architecture, historical and cultural heritage, culinary heritage, literature, music, creative industries and the living cultures with their lifestyles, value systems, beliefs and traditions.”  

(UN Tourism, 2025)

McKercher und Du Cros (2006) legen hingegen eine inhaltlich enger gefasste Definition zugrunde:

Cultural tourism is „[a] form of tourism that relies on a destination’s cultural heritage assets and transforms them into products that can be consumed by tourists.”

(McKercher & Du Cros, 2006, S. 211)

Ausprägungen des Kulturtourismus

Ausgehend von den genannten Definitionen umfasst Kulturtourismus Reiseaktivitäten, bei denen Reisende immaterielle sowie materielle kulturelle Ressourcen und Angebote einer Destination in Anspruch nehmen bzw. erleben, wobei Kultur das Primärmotiv oder ein sekundäres Motiv der Reise sein kann. Laut Du Cros und McKercher (2020) schließen diese kulturellen Ressourcen zeitgenössische als auch historische Kulturformen ein und die kulturelle Bedeutsamkeit entsteht meist vor der Anerkennung des touristischen Potenzials.

Der Kulturtourismus ist durch eine hohe innere Vielfalt gekennzeichnet, welche sich in unterschiedlichen Formen und Beweggründen des Reisens widerspiegelt. Diese lassen sich unter anderem danach unterscheiden,

  • in welchem räumlich‑landschaftlichen Kontext sie stattfinden,
  • welche primären Motive die Reise leiten,
  • oder welche materiellen oder immateriellen Attraktionsarten im Mittelpunkt stehen (Neuts, 2025).

Das Branchenfeld des Kulturtourismus setzt sich aus zahlreichen Nischenmärkten zusammen (Antz, 2020; Richards & van der Ark, 2013) und zeigt sich in verschiedenen touristischen Erscheinungsformen, welche Dreyer (2020) wie folgt zusammenfasst:

Abbildung mit Erscheinungsformen des Kulturtourismus

Abbildung: Erscheinungsformen des Kulturtourismus (eigene Darstellung; in Anlehnung an Dreyer, 2020, S. 48)

Mit Blick auf die Reise selbst lässt sich deren kulturelle Ausprägung basierend auf der Art der besuchten kulturellen Attraktion sowie den Aktivitäten vor Ort charakterisieren. Die Attraktionen setzen sich dabei aus materiellen sowie immateriellen Bausteinen zusammen, was die kulturelle Komponente auf unterschiedlichen Ebenen erfahrbar macht (Dreyer, 2020). Vor diesem Hintergrund differenziert Dreyer (2020) kulturelle Aktivitäten in „Besichtigungen (schwerpunktmäßig visuelle Wahrnehmung) materieller Kulturgüter sowie […] sinnlich erfahrbare Aktivitäten“ (Dreyer, 2020, S. 32).

Hausmann (2019) systematisiert das kulturtouristische Angebot basierend auf zwei Kriterien:

  • Entstehungslogik des kulturtouristischen Angebots: bereits vorhandenes/natürlich entstandenes Angebot (z. B. Kulturerbestätten) oder für den Tourismus konstruiertes Angebot (z. B. Themenparks, Freilichtmuseen)
  • Materialität des kulturtouristischen Angebots: materielles (z. B. Schlösser, Museen, Kirchen etc.) oder immaterielles (z. B. Events, Brauchtum) Angebot

Dreyer (2020) nimmt eine Differenzierung der Aktivitäten ebenfalls auf materieller und immaterieller Ebene vor und unterscheidet zwischen raum-, objekt- und sinnesbezogenen Erlebnissen:

Grafik: Kulturelle Aktivitäten im Überblick

Abbildung: Kulturelle Aktivitäten im Überblick (eigene Darstellung; in Anlehnung an Dreyer, 2020)

Darüber hinaus erlangt die Differenzierung zwischen Hochkultur (Bildungskultur; reine Kulturangebote wie Opern, Theatervorstellungen, Kunstausstellungen) und Breitenkultur (Alltagskultur, Unterhaltungsangebote wie Straßentheater, Open-Air-Konzerte, Volksfeste) insbesondere in der touristischen Betrachtung der Kultur an Bedeutung (Dreyer, 2020; Opaschowski et al., 2006).

Das kulturtouristische Erlebnis

Reiseerlebnisse werden maßgeblich durch die Charakteristika einer Destination geprägt (Chen et al., 2026). Auch der Kulturtourismus selbst hat sich in den letzten Jahren zunehmend als wirkungsvolles Instrument zur Schaffung intensiver und bedeutungsvoller Erlebnisse etabliert (Richards et al., 2020). Vor diesem Hintergrund ist das Verständnis der einzelnen Komponenten kulturtouristischer Erlebnisse für den langfristigen Erfolg von Destinationen von zentraler Bedeutung  (Cetin & Bilgihan, 2016). Laut Kölling (2017) wird das subjektive Erleben durch die Merkmale Individualität (Sinne, Bewusstsein, Erfahrungsschatz), Emotionalität und Erinnerbarkeit geprägt, ist situations- und subjektbestimmt sowie anbieterseitig durch die drei Designkomponenten des Bedürfnis- (z. B. Zielgruppendifferenzierung, Beleuchtung, Raumklima), Emotions- (z. B. Überraschungsereignis, Medien, Exponate) und Reflexions-Designs (z. B. weiterführende Materialien, Souvenirs) steuerbar.

Verschiedene Studien widmen sich der Untersuchung, welche spezifischen Aspekte die kulturelle Reiseerfahrung prägen. Buonincontri et al. (2017) finden beispielsweise, dass die Ko-Kreation von Reisenden – also deren aktiven Einbezug in die Gestaltung des Erlebnisses – zu der Wahrnehmung eines emotionalen Mehrwerts und einer höheren Gesamtzufriedenheit mit dem kulturellen Reiseerlebnis führt. Seyfi et al. (2020) identifizieren den wahrgenommenen Bedeutungsgehalt des Erlebnisses, Authentizität, Engagement, kultureller Austausch, kulinarische Attraktivität sowie die Servicequalität als Aspekte, die kulturtouristische Erlebnisse besonders erinnerungswürdig machen. Laut den Studienergebnissen von Chen et al. (2026) formen neun Destinationsattribute das kulturelle Erlebnis: eine fesselnde Kulturlandschaft (ästhetische Anziehungskraft), eine vielfältige Kulturpräsentation (kreative Vermittlung anhand verschiedener Medien), ein ansprechendes kulturelles Storytelling (Erzählungen über die Geschichte des Ortes), das Gefühl der kulturellen Anpassung (Gefühl von Zugehörigkeit, wenn das Angebot und die Werte des Reisenden übereinstimmen), die Authentizität des Kulturerbes (Bewahrung der Originalität/historischen Charakteristika), ein harmonisches kulturelles Umfeld (räumliche Balance zwischen natürlichen und baulichen Elementen), erleuchtende kulturelle Inhalte (Kapazität, Wissen, Werte und Inspiration zu vermitteln), die Qualität der touristischen Dienstleistungen sowie lebendige kulturelle Aktivitäten (z. B. Festivals).

Erinnerungswürdige kulturelle Reiseerlebnisse entstehen demnach weniger durch das passive und isolierte Betrachten von Denkmälern und kulturellen Sehenswürdigkeiten, sondern vielmehr durch eine ganzheitliche, interaktive und emotional resonante Reise, in deren Rahmen die Destination als ganzheitliche Kulturlandschaft wahrgenommen wird (Buonincontri et al., 2017; Cetin & Bilgihan, 2016; Chen et al., 2026; Richards et al., 2020).

Charakteristika von Kulturtouristinnen und -touristen

Um das Phänomen des Kulturtourismus holistisch zu erfassen, ist es zudem von zentraler Bedeutung konzeptionell zu bestimmen, welche Personen als Kulturtouristinnen und -touristen charakterisiert werden können (Csapo, 2012). In Anlehnung an Steinecke (2007) geht es dabei „vor allem um die Frage, wie ausgeprägt das kulturelle Interesse eines Touristen sein muss, damit seine Reise als „Kultururlaub“ bezeichnet werden kann“ (Steinecke, 2007, S. 2). Csapo (2012) unterstreicht, dass sich Kulturreisende durch eine entsprechende kulturell geprägte Motivation und die Bereitschaft, sich mit den sozialen und landschaftlichen Werten einer anderen Kultur auseinanderzusetzen und diese erleben zu wollen, auszeichnen. Laut Cetin und Bilgihan (2016) verlassen Kulturtouristinnen und -touristen ihren Heimatort mit der Motivation, temporär in die Kultur der besuchten Destination einzutauchen. Trotz der dynamischen Entwicklung der Kultur per se sowie der des Kulturtourismus hat sich laut Antz (2020) das zentrale Motiv von Kulturreisenden seit Entstehung der Reiseform nie verändert: das Erleben des Originals.

Analog zu Du Cros und McKercher (2020) hebt Hausmann (2019) die Heterogenität von Kulturtouristinnen und -touristen hervor und beschreibt diese als „Gäste einer Destination, die das kulturelle Erbe bzw. Angebot nutzen und sich hinsichtlich einer Vielzahl von Merkmalen unterscheiden“ (Hausmann, 2019, S. 30). Diese Merkmale implizieren die Bedeutung und Nutzungshäufigkeit kultureller Angebote im privaten als auch im Reisekontext, das eigene kulturelle Erfahrungsniveau, die Neigung zur Inanspruchnahme kultureller Leistungsbündel, den grundsätzlichen Anspruch an kulturtouristische Angebote sowie die Dauer des entsprechenden Aufenthalts (Hausmann, 2019). Du Cros und McKercher (2020) fügen hinzu, dass sich die Ausdifferenzierung von Kulturtouristinnen und -touristen primär aus der Relevanz, die Reisende kulturellen Reiseerfahrungen und -aktivitäten beimessen sowie aus der Tiefe der angestrebten oder tatsächlich erlebten kulturellen Erfahrung zusammensetzt.

Antz (2020) unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen drei Arten von Kulturreisenden: Kulturtouristen und -touristinnen im engeren Sinne, Kulturtouristen und -touristinnen bei Gelegenheit und Kulturtouristinnen und -touristen der Spontaneität.

Kulturtouristinnen und -touristen im engeren Sinne (Kultur als Hauptreiseanlass)

  • Kultur als reiseauslösendes Motiv: Der Hauptreiseanlass beinhaltet den Besuch kultureller Einrichtungen, Veranstaltungen oder Kulturerbestätten.
  • Marktvolumen: Diese Gruppe von Kulturtouristen ist nur ein kleiner Teil des Gesamtmarktes. Das Verhältnis von speziellen (=Kultur als primäres/reiseauslösendes Motiv) zu Auch-Kultur-Touristen (=Kultur als sekundäres/untergeordnetes Motiv) beträgt laut Schmude und Namberger (2015) etwa 1:9.
  • Angebotsanforderungen: Bedarf nach einem auf kulturelle Inhalte zugeschnittenen Angebots.
  • Leitbildfunktion für andere Segmente: Besuchte Orte der Kulturreisenden im engeren Sinn dienen als Orientierung für Gelegenheitskulturtouristinnen und -touristen.

Kulturtouristinnen und -touristen bei Gelegenheit (Kultur als Reisebaustein)

  • Kultur als Reisebaustein: Es werden zwar mehrere kulturelle Angebote/Attraktionen während der Reise genutzt/besucht, der primäre Reisezweck ist jedoch nicht kulturbezogen (z. B. Erholungsurlaub, Gesundheitsurlaub) und wird mit kulturtouristischen Angeboten verknüpft.
  • Marktvolumen: Diese Gruppe von Kulturtouristinnen und -touristen besitzt das größte Marktvolumen.
  • Angebotsanforderungen: Bedarf nach kulturtouristischen Angeboten, jedoch weniger empfänglich für hochwertigere bzw. anspruchsvollere Kulturangebote.

Kulturtouristinnen und -touristen der Spontaneität (Kultur als Nebensache/beiläufige Aktivität)

  • Kultur als eine Aktivität unter vielen/zufällige Freizeitaktivität: Kultur ist eine von vielen möglichen Aktivitätsoptionen, wird im Voraus nicht eingeplant und eher kurzfristig (z. B. bei Regen, kulturelle Trends) ein Teil der Reise.
  • Marktvolumen: Nicht quantifizierbar
  • Angebotsanforderungen: Spontan geprägt; Imagemarketing der Destination und Platzierung des Kulturangebots als zentrales Thema kann Attraktivität steigern. (Antz, 2020)

Du Cros und McKercher (2020) differenzieren Kulturtouristinnen und -touristen weiter auf Basis der angestrebten und realisierten Tiefe kultureller Reiseerlebnisse (siehe Abbildung 3), woraus fünf unterschiedliche Typen resultieren: Zielgerichtete Kulturtouristinnen und -touristen, besichtigende Kulturtouristinnen und -touristen, zufällige Kulturtouristinnen und -touristen, gelegentliche Kulturtouristinnen und -touristen sowie beiläufige Kulturtouristinnen und -touristen.

Grafik: Typologie von Kulturtouristinnen und -touristen

Abbildung: Eine Typologie von Kulturtouristinnen und -touristen (eigene Darstellung; in Anlehnung an Du Cros und McKercher, 2020)

Diese Typen können nach den Autoren wie folgt charakterisiert werden:

Zufällige Kulturtouristinnen und -touristen (engl.: The serendipitous cultural tourist):

Die Person reist nicht aus kulturtouristischen Gründen, macht jedoch durch die ungeplante Teilnahme an kulturtouristischen Angeboten/Aktivitäten unerwartet eine tiefgründige kulturelle Erfahrung.

Zielgerichtete Kulturtouristinnen und -touristen (engl.: The purposeful cultural tourist):

Kultur stellt das reiseauslösende Motiv für den Besuch einer Destination dar und die reisende Person macht eine tiefgründige kulturelle Erfahrung.

Besichtigende Kulturtouristinnen und -touristen (engl.: The sightseeing cultural tourist):

Kultur ist das primäre oder ein sekundäres Motiv für den Besuch einer Destination, die gemachten kulturellen Erfahrungen bleiben jedoch eher oberflächlich.

Gelegentliche Kulturtouristinnen und -touristen (engl.: The casual cultural tourist)

Kultur ist bei dem Besuch einer Destination ein (schwaches) sekundäres Motiv und die gemachten kulturellen Erfahrungen sind oberflächlich.

Beiläufige Kulturtouristinnen und -touristen (engl.: The incidental cultural tourist)

Die Reise ist nicht kulturtouristisch motiviert, dennoch nimmt die Person an einzelnen kulturellen Aktivitäten teil, wobei die Erfahrung oberflächlich bleibt. (Du Cros & McKercher, 2020)

Die Charakteristika von Kulturtouristinnen und -touristen sind demnach vielfältig, eng verknüpft mit der kulturellen Affinität, dem grundsätzlichen kulturellen Interesse und bisherigen kulturellen Erfahrungen sowie dem Motiv der geplanten Reise, welches Kultur als primäre, sekundäre oder zufällige Komponente beinhalten kann.

Exkurs: Kultur als Standortfaktor (in Deutschland und Bayern)

Der Facts & Figures-Bericht 2024 der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) verdeutlicht die Bedeutung des Kulturtourismus für Deutschland als Reisedestination. Deutschland belegt unter europäischen Reisenden weltweit den ersten Platz als Kulturreiseziel; 21 Prozent aller internationalen Reisen nach Deutschland sind Kulturreisen und gehen mit einer sehr hohen Gesamtzufriedenheit der ausländischen Gäste einher (German national Tourist Board [GNTB], 2024). Im Jahr 2023 entfielen von insgesamt 173 Millionen globaler Kulturreisen europäischer Reisender weltweit 18,7 Millionen auf Deutschland, was einem Marktanteil von elf Prozent entspricht (Deutsche Zentrale für Tourismus [DZT], 2024). Als zentrale Treiber des internationalen Destinationsimages von Deutschland nennt das GNTB (2024) ferner historische Bauten, lebendiges Stadtleben, zeitgenössische Kultur sowie landschaftliche Attraktivität. Ergänzend zeigen für die deutschsprachige Bevölkerung in Deutschland repräsentative BZT‑Studien, dass eine Nachfrage für Kulturreisen besteht: Im Rahmen der BZT-Befragung zum Thema Reiseentscheidung (2025) gaben zehn Prozent der Befragten (n=1.225) an, im Kalenderjahr 2026 eine „Studienreise/ Kulturreise/ Sightseeingurlaub“ zu planen. Auch die quantitative Erhebung zum Thema Overtourism/ Übertourismus (2026) verdeutlicht, dass für 14 Prozent der Befragten (n=3.021) „Studienreisen/ Kulturreisen/ Sightseeingurlaube“ die bevorzugte Art der Urlaubsreise darstellen.

Wie Hausmann (2019) hervorhebt, beschreibt der Kulturtourismus einen „Markt, auf dem Angebot und Nachfrage immer wieder auf ein Neues zusammengebracht werden müssen“ (Hausmann, 2019, S. 5), was erneut die Dynamik des Kulturtourismus sowie die damit verbundene Relevanz der fortlaufenden Anpassung des kulturtouristischen Angebots und eine kontinuierliche Marktbeobachtung unterstreicht – mit dem kulturtouristischen Reiseerlebnis im Zentrum: „Noch mehr Menschen können erreicht werden, wenn der Kulturtourismus langfristig nicht nur Bedürfnisse befriedigt, sondern Sehnsüchte weckt.(Antz, 2020, S. 1).

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Fazit

  • Der Kulturtourismus formt einen zentralen und facettenreichen Bestandteil der Tourismusbranche, ist mit vielen anderen Reiseformen kombinierbar und impliziert historisch ursprüngliche sowie touristisch konstruierte Kulturangebote sowie materielle und immaterielle kulturelle Ressourcen.
  • Kultur kann Primär-, Sekundär- oder beiläufiges Motiv einer Reise sein, wodurch sich kulturtouristische Angebote und Zielgruppen stark ausdifferenzieren und ein breites Spektrum an Reiseformen entsteht.
  • Kulturtouristische Erlebnisse entstehen ganzheitlich, durch die Wahrnehmung einer Destination als kulturelle Landschaft, durch Authentizität, Storytelling, Ko‑Kreation und qualitativ hochwertige Leistungen.
  • Kulturtouristinnen und -touristen sind durch Heterogenität geprägt und unterscheiden sich insbesondere nach kultureller Motivation, kulturellem Interesse und Erfahrungsniveau sowie der angestrebten Intensität kultureller Reiseerlebnisse.
  • Der Kulturtourismus ist für Deutschland ein wichtiger Branchenbereich und aktuelle BZT-Befragungen zeigen für den deutschen Quellmarkt das nachfrageseitige Interesse an Kulturreisen auf.
  • Der Kulturtourismus zeichnet sich durch eine hohe Dynamik aus und verlangt somit eine stetige Weiterentwicklung – mit dem kulturellen Reiseerlebnis im Mittelpunkt.
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Mehr zum Thema

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Literaturverzeichnis

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