Corona-Reisebarometer

Welche Gründe halten die Deutschen in Zeiten von Corona vom Reisen ab? Welche Urlaubsmotive haben sie? Wie wird ein Urlaub in Zeiten von Corona gestaltet? Welche Voraussetzungen müssen aus Sicht der Reisenden erfüllt sein, doch zu verreisen? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden, führte das Bayerische Zentrum für Tourismus im Jahr 2020 und 2021 deutschlandweit verschiedene repräsentative Online-Befragungen durch.

Überblick

In der ersten Befragung im Mai 2020 ging es insbesondere um das Urlaubsverhalten im anstehenden Sommer 2020. Damals wollte knapp ein Viertel schnellstmöglich wieder verreisen. Gefragte Urlaubsziele innerhalb Deutschlands waren Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Die im Juli durchgeführte zweite Befragung brachte Erkenntnisse zu den Erfahrungen der Reisenden in den ersten Urlauben im Sommer 2020 nach Lockerung der Reisebeschränkungen in Deutschland. Trotz der Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Mindestabstand und Maskenpflicht war die Zufriedenheit der Urlauber mit Reisen im Mai oder Juni 2020 innerhalb Deutschlands hoch. Unter diesen Personen wollten vier von fünf bald wieder verreisen. Zudem standen die Reisepläne innerhalb Europas, die Reisegestaltung und die Erwartungen der Reisenden für den Rest des Jahres 2020 im Fokus. Von den Personen mit Reiseabsichten wollte nach Aufhebung der Reisebeschränkungen rund ein Drittel den Urlaub im europäischen Ausland verbringen, zwei Drittel innerhalb Deutschlands. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 führten 74 Prozent der Urlaubsreisen (Reisen ab fünf Tage Dauer) der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren ins Ausland, entsprechend waren 26 Prozent Inlandsreisen (Quelle: RA 2020).

Im Oktober folgte eine dritte Befragungswelle zum Reiseverhalten der Deutschen in Zeiten von Corona. Zum einen brachte sie weitere Erkenntnisse zu den Erfahrungen der Reisenden im Sommer und Herbst 2020, zum anderen wurden Personen, die im Sommer nicht verreist sind, nach ihren alternativen Aktivitäten gefragt. Zwei Drittel haben ihre Urlaubzeit im Sommer genutzt, um sich zu Hause auszuruhen. Weiterhin lag der Fokus der Umfrage auf der bevorstehenden Wintersaison zwischen November 2020 und April 2021. 40 Prozent der Befragten nannten coronabedingte Gründe, weshalb sie im Winter nicht verreisen wollten. Gegen eine Reise im Winter sprach insbesondere die Angst „in Quarantäne zu müssen“. Hingegen hatten 23 Prozent der befragten Personen Reiseabsichten für den Winter. Für jene, die den Winterurlaub im Schnee verbringen wollten, stand das Naturerlebnis im Vordergrund. Durch den im November 2020 verhängten Lockdown wurde mancher Urlaub trotz Reiseabsicht nicht realisiert.

Eine vierte Befragung wurde im März 2021 durchgeführt. Rückblickend auf das Jahr 2020 zeigte sich, dass nach Aufhebung der coronabedingten Reisebeschränkungen 40 Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren im Jahr 2020 eine oder mehrere Urlaubsreisen unternommen haben. In der Befragung ging es zudem um die geplanten Reisen im Jahr 2021. 39 Prozent der Befragten, die grundsätzlich verreisen, mochten 2021 auf jeden Fall noch eine Urlaubsreise unternehmen; 28 Prozent mochten verreisen, aber vorerst noch abwarten. Personen, die wegen der Pandemie 2021 nicht verreisen mochten, gaben zu knapp der Hälfte an, dass sie doch verreisen würden, wenn sie selbst beziehungsweise weite Teile der Bevölkerung geimpft seien.

In allen Umfragen zeigte sich stets eine hohe Reisebereitschaft, mehrheitlich mit einem Ziel innerhalb Deutschlands. Bevorzugt waren autarke Wohneinheiten (wie Camping, Ferienwohnungen, Urlaub auf dem Bauernhof) – insbesondere bei Familien – und die Anreise mit dem eigenen Auto. Zudem stieg über die Zeit der drei Umfragen im Jahr 2020 die Zustimmung zur Meinung, dass die Coronakrise das Reiseverhalten der Menschen verändern und die Menschen zukünftig mehr auf das Thema Nachhaltigkeit bei ihren Reisen und ihrem Urlaub achten würden von 27 Prozent im Mai 2020 auf 34 Prozent im Oktober 2020. In der vierten Befragung im März 2021 lag die Zustimmung noch bei 31 Prozent.