STUDIE

Bedeutung und Maßnahmen von Besucherlenkung in bayerischen Kommunen

22. Juli 2021

Die vom Bayerischen Zentrum für Tourismus durchgeführte Umfrage konnte Erkenntnisse über den Stellenwert der Besucherlenkung in bayerischen Kommunen gewinnen. Schwerpunkte der Befragung waren die Wichtigkeit von Besucherlenkung, aktuelle und geplante Besucherlenkungsmaßnahmen sowie das Thema Datenerfassung.

Stimmungsbild

Zielgruppe

Kommunen in Bayern aus den Landkreisen mit den höchsten Mobilitätsveränderungen zwischen Juli 2020 und September 2020 gegenüber dem Vergleichszeitraum aus dem Vorjahr (Grundlage: Mobilfunkdaten von Teralytics). Insgesamt wurden 1.185 Kommunen aus zehn Landkreisen in Oberbayern, aus sieben Landkreisen in Schwaben, aus 13 Landkreisen in Ostbayern und aus 15 Landkreisen in Franken angeschrieben.

Tagesausflüge in bayerischen Kommunen

Mehr als die Hälfte der befragten Kommunen (54 Prozent) stuft das Thema Besucherlenkung für sich als sehr wichtig oder wichtig ein. Jede vierte Kommune (26 Prozent) ist „unentschlossen“ und 19 Prozent schätzen das Thema als unwichtig bis sehr unwichtig ein. Bei der Betrachtung nach Übernachtungszahlen ist zu erkennen, dass mit steigender Zahl der Übernachtungen in einer Kommune das Thema Besucherlenkung als wichtiger eingestuft wird.

75 Prozent der befragten Kommunen geben an, dass Tagesausflüge in ihrer Kommune im Jahr 2020 verglichen zu den Vorjahren zugenommen haben. Insgesamt beurteilen 41 Prozent der befragten Kommunen die Zunahme an Tagesausflügen als „sehr problematisch“ und „problematisch“. Besonders in Oberbayern bewerten die Kommunen die Zunahme zu 60 Prozent als „problematisch“.

Kommunen, die die Zunahme der Tagesausflüge als (sehr) problematisch bewerten, nennen zu 22 Prozent das Fehlverhalten der Besucher als Problem, gefolgt von Parkproblemen (15 Prozent) und Müllproblemen (10 Prozent). Mehr als die Hälfte der befragten Kommunen (54 Prozent) rechnet im Jahr 2021 mit einem Tagesausflugsniveau wie im Vorjahr. Ein Drittel (32 Prozent) geht in 2021 von mehr Tagesausflüglern aus als 2020.

Aktuelle Besucherlenkungsmaßnahmen

62 Prozent der befragten Kommunen setzen derzeit keine Maßnahmen ein, um Besucher*innen zu lenken. 38 Prozent setzen eine oder mehrere Besucherlenkungsmaßnahmen ein. Für 44 Prozent der befragten Kommunen ist Besucherlenkung kein Thema, das sie beschäftigt und deshalb werden keine Maßnahmen umgesetzt.

Jeweils 14 Prozent nennen fehlendes Know-how und die fehlende Vorstellung des Nutzens als Grund, warum derzeit keine Besucherlenkungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Die befragten Kommunen, die eine oder mehrere Besucherlenkungsmaßnahmen durchführen, setzen eine breite Palette von unterschiedlichsten Maßnahmen ein. Dazu zählt beispielsweise ein entsprechendes Wegenetz für Besucher, Verhaltensregeln, Ge-/Verbote über Beschilderung oder die Teilnahme am „Bayerischen Ausflugsticker“.

Kommunen, die eine oder mehrere Besucherlenkungsmaßnahmen durchführen, tun dies zu 62 Prozent aufgrund bereits bestehender Probleme sowie, um Problemen vorzubeugen. Dabei gibt die Mehrheit der befragten Kommunen als Grund für den Einsatz von Maßnahmen Wildparken an. Häufig angeführt werden auch die Zerstörung der Natur, der Unmut in der Bevölkerung, die Verkehrsbelastung und der Müll.

Planung von zukünftigen Besucherlenkungsmaßnahmen

Mehr als die Hälfte der befragten Kommunen plant zukünftig eine oder mehrere (weitere) Besucherlenkungsmaßnahmen umzusetzen. Ein Drittel plant keine (weiteren) Maßnahmen. 64 Prozent der geplanten Besucherlenkungsmaßnahmen liegen im Bereich der „Verkehrs-/Parkleitsysteme“. Je 47 Prozent können dem Bereich „Besucherinfrastruktur/Wegenetz“ oder „Verhaltensregeln“ zugeordnet werden. Knapp die Hälfte möchte zukünftig am Informationsportal „Bayerischer Ausflugsticker“ teilnehmen.

Datenerfassung

60 Prozent der befragten Kommunen erfassen keine Daten. Von denjenigen, die Daten erfassen, geben 18 Prozent an, dies über Gästekarten zu tun, gefolgt von Buchungssystemen und der Datenerfassung über Fragebögen. Die Kommunen, die Daten über Sensorik, Kameras oder Wifi-Tracker erfassen, tun dies überwiegend an Parkplätzen oder Touristeninformationen.

26 Prozent der befragten Kommunen, die Daten erfassen, sind nicht bereit, erhobene Daten als offene Daten zur Verfügung zu stellen. 44 Prozent der derzeit datenerhebenden Kommunen würden die Daten zumindest teilweise (24 Prozent) oder sogar vollständig (20 Prozent) als offene Daten zur Verfügung stellen.

Methodik

Die Studie erhebt keinen Anspruch auf eine repräsentative Stichprobe für Besucherlenkung in bayerischen Kommunen. Die Umfrageergebnisse bieten einen exemplarischen Einblick zur Bedeutung und zu den Maßnahmen von Besucherlenkung in bayerischen Kommunen. Es ist davon auszugehen, dass die Beteiligung an der Umfrage – und damit die Investition von Zeit- und Arbeitsaufwand – beeinflusst wird vom Interesse am Thema der Befragung.

Befragungszeitraum:
13.04.2021 bis 30.04.2021

Zielgruppe:
Kommunen in Bayern aus den Landkreisen mit den höchsten Mobilitätsveränderungen zwischen Juli 2020 und September 2020 gegenüber dem Vergleichszeitraum aus dem Vorjahr (Grundlage: Mobilfunkdaten von Teralytics). Insgesamt wurden 1.185 Kommunen aus zehn Landkreisen in Oberbayern, aus sieben Landkreisen in Schwaben, aus 13 Landkreisen in Ost-bayern und aus 15 Landkreisen in Franken angeschrieben.

Realisierte Stichprobe:
218 Kommunen in Bayern (Oberbayern: n=62, Ostbayern: n=49, Franken: n=64, Schwaben: n=43)

Methode:
Durchgeführt vom Bayerischen Zentrum für Tourismus als Online-Befragung mit SoSci Survey. Versand des Umfragelinks per E-Mail an 1.185 Kommunen in Bayern.

Hinweis:
Die Abfrage von Listenitems wurde randomisiert durchgeführt.

Download

Alle Ergebnisse der Umfrage haben wir anschaulich in einem PDF zusammengefasst und können nachfolgend abgerufen werden.