ONLINE-FORUM

Reiseentscheidungsprozess

live am 18. November 2025 I 10.00 bis 11.30 Uhr

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Unsere Gäste

Eine Frau mit langem, glattem, hellem Haar lächelt in die Kamera. Das Bild ist schwarz-weiß, mit einem leicht verschwommenen Hintergrund.

Dr. Elisabeth Bartl

wissenschaftliche Mitarbeiterin und Managerin Living Lab Tourismus, Nachhaltigkeit und Lebensqualität

Hochschule München

Eine Frau mit langen braunen Haaren und Brille lächelt leicht. Sie steht im Freien, vor einer Steinmauer. Sie trägt ein helles Oberteil und kleine Ohrringe.

Laura Reiter

wissenschaftliche Mitarbeiterin, Department für Geographie

Ludwig-Maximilians-Universität

Ein lächelnder Mann mittleren Alters mit kurzen grauen Haaren, der einen blauen Pullover über einem Kragenhemd trägt, posiert vor einem schlichten hellen Hintergrund. © Carolin Kirchwehm/Vico Kiel.

Dr. Dirk Schmücker

wissenschaftlicher Leiter

Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) GmbH

Ein lächelnder Mann mit Brille, Schnurrbart und einem kurzen Bart trägt ein dunkles Hemd und einen kastanienbraunen Blazer. Er steht in einem Innenraum vor einer Glaswand mit fetter, teilweise sichtbarer Schrift und warmen Hängelampen im Hintergrund.

Wolfgang Wagner

Prokurist und Leiter strategische Entwicklung

Bayern Tourismus Marketing GmbH

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Die Konferenz im Überblick

Reisen ist mehr als nur eine Wahl des Reisezieles – es ist ein komplexer Entscheidungsprozess

„Die Wahl eines Reiseziels ist ein mehrstufiger Prozess“, erklärte Dr. Elisabeth Bartl. Bei der Wahl eines Zieles werden zunächst Optionen ausgeschlossen, bevor aus einer engeren Auswahl die favorisierte Destination ausgewählt wird. Dabei spielen Emotionen und Intuition ebenso eine Rolle wie rationale Abwägungen zu Kosten, Sicherheit oder Infrastruktur. Im Entscheidungsprozess werden dann Teil-Entscheidungen getroffen etwa zur Unterkunft, Art und Dauer der Reise oder zur Reisebegleitung. Dr. Bartl betonte, dass Reisen eine „besondere Konsumentscheidung“ ist, da sie die wertvollste Zeit des Jahres betrifft, nicht testbar und nicht rückgabefähig ist.

Prof. Dr. Jürgen Schmude ergänzte aus einer aktuellen BZT-Studie die fünf am häufigsten genannten Einflussfaktoren für die Destinationswahl: Kosten, Sicherheit, positive Erfahrungen, Klima und Erreichbarkeit.

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Nicht-Reisende: Ein wachsender Markt mit 13,7 Milliarden Euro Potenzial

Laura Reiter widmete sich dem Thema der Nicht-Reisenden in Deutschland. So lag der Anteil der Nicht-Reisenden im Jahr 2024 bei 15 Prozent, weitere sechs Prozent zählten zu den Nie-Reisenden. Hauptgründe sind finanzielle, zeitliche oder gesundheitliche Einschränkungen und fehlende Motivation. Dennoch ist diese Gruppe wirtschaftlich relevant: Mit geschätzten 13,7 Milliarden Euro Jahresausgaben für Freizeitaktivitäten wie Gastronomie, Wellness, Sport oder Ausflüge während ihres „Urlaubs daheim“ stellen Nicht-Reisende einen bedeutenden Zielmarkt dar. Reiter betonte zugleich die soziale Dimension: Obwohl die soziodemographische Zusammensetzung der Nicht-Reisenden und ihre Motive heterogen sind, steigt die Reiseteilhabe mit dem Einkommen. Für Menschen mit begrenztem Budget braucht es „kommunale Freizeit- und Naherholungsangebote“, so Reiter.

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Reisetrends: Kurzurlaube boomen – Bayern bleibt beliebt

Aktuelle Daten aus der Reiseanalyse, vorgestellt von Dr. Dirk Schmücker, zeigen ein klares Bild: Die Mittelmeerregion bleibt für die deutsche Bevölkerung die beliebteste Urlaubsdestination, während Fernreisen nur eine Nebenrolle spielen. Von 68,3 Millionen Urlaubsreisen ab fünf Tagen entfielen im Jahr 2024 rund 30 Millionen auf das Mittelmeer. In Deutschland sind Schleswig-Holstein und Bayern die beliebtesten Ziele für Reisen. „Rund zwei Drittel aller Reisen beginnen mit der Wahl des Zielgebiets – ein klarer Hinweis darauf, dass die Destination der zentrale Anker im Reiseentscheidungsprozess ist.“, so Schmücker.

Gleichzeitig erlebt der Kurzurlaub einen Aufschwung: Bayern verzeichnete allein im Jahr 2024 rund 14,4 Millionen Kurzurlaubsreisen. Die wichtigsten Reisemotive bleiben Sonne, Entspannung und Natur. Marketingbegriffe wie „Coolcation“ spiegeln sich allerdings nicht in den Daten zum tatsächlichen Reiseverhalten wider – auch bei zunehmenden Hitzewellen bevorzugen die meisten weiterhin Reiseziele mit warmem Klima.

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Bayern punktet mit Natur, Erholung und Tradition

Wolfgang Wagner erläuterte, dass Bayern mit folgenden Stärken überzeugt: Natur erleben, Kraft tanken und Abstand vom Alltag gewinnen. Bayerns Image, geprägt von Landschaften, Tradition, Kulinarik und Wandermöglichkeiten, sei ein entscheidender Faktor im Wettbewerb der Destinationen. „Die Entwicklung und Pflege des Bayernbildes ist fundamentale Grundlagenarbeit für erfolgreichen Tourismus“, so Wagner.

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Mehr Nicht-Reisende, mehr Differenzierung: Perspektiven für die Branche

Während der Wunsch nach Urlaub weiterhin hoch bleibt, zeigt sich ein zunehmendes Sparverhalten. Die Expertinnen und Experten erwarten, dass Reiseentscheidungen künftig stärker budgetbewusst getroffen werden – mit möglichen Auswirkungen auf die touristische Wertschöpfung. Gleichzeitig rechnet Laura Reiter mit einem weiteren Anstieg der Nicht-Reisenden.

Fazit: Reiseentscheidungen folgen klaren Mustern, sind jedoch zutiefst individuell. Emotionen, soziale Zugehörigkeit und wirtschaftliche Möglichkeiten entscheiden mit – ebenso wie das Bild, das eine Destination (potenziellen) Reisenden vermittelt. Für die Tourismusbranche eröffnen sich neue Chancen, Zielgruppen differenziert anzusprechen und auch Nicht-Reisende stärker einzubinden.

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