Geförderte Projekte 2021/2022

Aus sieben eingereichten Forschungsvorhaben wurden für das Jahr 2021 durch ein Begutachtungsgremium aus Vertreterinnen und Vertretern des Praxisbeirats, des wissenschaftlichen Beirats und der Leitung des Bayerischen Zentrums für Tourismus vier Projekte für die Förderung ausgewählt.

  • STIBS II: Der Smarte Tourist in Bayerns Städten

Das Konzept des Smart Tourism hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und das Verhalten sowie die Interaktionen der Akteure (touristische Unternehmen, DMOs, Touristen etc.) erheblich verändert. Im vorangegangenen STIBS-Projekt wurde die Angebotsseite (unter anderem Freizeiteinrichtungen, Mobilitätsanbieter, DMOs) in fünf ausgewählten bayerischen Städten (Nürnberg, München, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt) untersucht. Die Ergebnisse aus den Experteninterviews des Projekts sowie der Forschungsstand zeigen, dass insbesondere zur Nachfrageseite noch erhebliche Wissenslücken bestehen. Da das Verständnis der Perspektive smarter Touristen aber für die Entwicklung und Optimierung digitaler Angebote und Dienstleistungen unabdingbar ist, stellt sich die Frage: Welche Bedürfnisse und Anforderungen haben smarte Touristen an den bayerischen Städtetourismus?

Diese Kernfrage wird im STIBS-II-Projekt am Beispiel der fünf bayerischen Städte beantwortet werden. Wesentliches Ziel des Forschungsprojektes ist es daher, über die Analyse von Inhalten in sozialen Medien und auf Bewertungsplattformen sowie einer quantitativen Befragung der Touristen ein besseres Verständnis für die Nachfrageseite zu entwickeln sowie über eine Clusteranalyse auch Unterschiede zwischen den Touristen zu identifizieren. Auch sollen die Akteure der Angebotsseite durch die Erkenntnisse befähigt werden, adäquate Angebote zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Touristen entsprechen und so die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Städte erhöhen.

Projektleitung: PD Dr. Markus Hilpert (Universität Augsburg, Lehrstuhl Humangeographie und Transformationsforschung)

  • Destination Y: Akzeptanz von Maßnahmen zur Besucher*innenlenkung unter besonderer Berücksichtigung von Yield Management auf Destinationsebene

Allgemeines Ziel des Forschungsprojektes „Destination Y: Akzeptanz von Maßnahmen zur Besucherlenkung unter besonderer Berücksichtigung von Yield Management auf Destinationsebene“ ist es, ein anwendungsbezogenes Modell für angebotsseitig koordinierte Besucherlenkungsmaßnahmen auf unterschiedlichen Aggregations- und Maßstabsebenen (z. B. touristische Destinationen, Städte und Landkreise, Kooperationen einzelner Akteursgruppen) zu erarbeiten. Dieses dient den übergeordneten Akteuren aus der Region (DMO-Manager, Wirtschaftsförderer etc.) als Ansatzpunkt und Fahrplan zur Umsetzung koordinierter Besucherlenkungsmaßnahmen auf der Angebotsseite und soll helfen, touristische Hotspots in Bayern zu entlasten und die touristische Nachfrage zeitlich zu entzerren. Die Betrachtung von auf Destinations- bzw. Regionsebene koordinierten Besucherlenkungsmaßnahmen stellt dabei einen innovativen Ansatz zur Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells dar. So besteht durch den gezielten Einsatz von Yield Management – vereinfacht ausgedrückt der Prozess des Verkaufs des richtigen Angebots (z. B. ein bestimmtes Zimmer), an den richtigen Kunden bzw. die richtige Kundin, zum richtigen Preis, zur richtigen Zeit – neben der Zielsetzung der Besucherlenkung auch die Möglichkeit zur Ertragssteigerung auf betrieblicher Ebene.

Projektleitung: Dr. habil. Philipp Namberger (Ludwig-Maximilians-Universität München, Department Geographie), Dr. Bernhard Harrer (dwif); Dr. Andrea Möller (dwif); Heiko Rainer (dwif)

  • Regionaler Overtourism im Alpenvorland? Regionales Changemanagement zur nachhaltigen Lösungsfindung für den Tagestourismus am Beispiel Schliersee/Tegernsee

Die Situation ist nicht neu: Landschaftlich ansprechende Destinationen werden in Bayern wie andernorts von Touristen stark frequentiert. Häufig wird der in der Region bisweilen als Umsatzbringer und Jobmotor geschätzte Tourismus zum Problem, wenn sich zeitlich und räumlich akkumuliert zu viele Touristen in der Region aufhalten. Diese Erfahrung machen insbesondere Regionen im unmittelbaren Umfeld von größeren Agglomerationsräumen – wie beispielsweise das Alpenvorland für München – seit Längerem sukzessive häufiger und seit Beginn der Corona-Pandemie in einem bis dato ungekannten Ausmaß. In der Folge nehmen Interessenskonflikte zu, eine nachhaltige, integrierende Lösung des Problems scheint aufgrund wachsender Emotionen und gegenseitigen Unverständnisses immer unwahrscheinlicher. Ziel des geplanten Projektes ist es, mithilfe von organisationalen Changemanagement-Ansätzen und tourismuswissenschaftlichen Erkenntnissen verträgliche und ökologisch nachhaltige Lösungsansätze für unterschiedliche Probleme des Overtourism zu finden. Dazu wird das bisher kaum erforschte Phänomen des regionalen Overtourism untersucht, bei dem der Fokus auf dem tagestouristischen Ausflugsverkehr aus dem Inland liegt. Neben einer Definition dieses neuen Phänomens werden Touristentypen mit unterschiedlichen Interessen und Anforderungen an die Destination identifiziert, die eine Grundlage für Marketing- und Managementstrategien bilden, um gezielt Probleme zwischen Touristen und Anwohnern beheben zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse erlauben einerseits die Ableitung allgemeingültiger Lösungsansätze für das Management des (Wochenend-)Ausflugsverkehrs. Andererseits können die Ergebnisse des Projekts auf andere betroffene Destinationen übertragen werden.

Projektleitung: Dr. Marion Karl (Ludwig-Maximilians-Universität München, Department Geographie)
Projektpartner: Dr. Anja Berghammer (Catus Consultants)

  • Nachhaltige Tourismus- und Regionalentwicklung in Garmisch-Partenkirchen zwischen Tourismus, freizeitorientierter Migration und Immobilienmarkt

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich ein deutlicher Wandel im Verhältnis zwischen Tourismus und anderen Formen der freizeitorientierten Mobilität von Personen und Kapital vollzogen. Dies zeigt sich insbesondere in traditionellen, seit langer Zeit etablierten aber nach wie vor bedeutenden Destinationen wie bspw. der wichtigsten deutschen Wintersportdestination Garmisch-Partenkirchen. Das Verhältnis zwischen Tourismusentwicklung, (neuen) freizeitorientierten Migrationsformen (z. B. Lebensstil-Migration, Altersmigration) und Immobilienentwicklung außerhalb von großstädtischen Destinationen ist bisher jedoch wissenschaftlich kaum untersucht. Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt mit einer empirischen Erhebung in der Region Garmisch-Partenkirchen darauf ab, zwei Fragen zu beantworten: 1) Wie hat sich das Verhältnis zwischen Tourismus, freizeitorientierten Migrationsformen und dem Immobilienmarkt in Garmisch-Partenkirchen verändert und welche Entwicklungen wurden durch die Covid-19 Pandemie neu angestoßen bzw. verstärkt? 2) Welche Folgen bringt die Neuordnung von Tourismus, Freizeitnutzung und Immobilienmarkt mit Blick auf nachhaltige Tourismus- und Regionalentwicklung mit sich (Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus; Zugang zu Land und Zugang zu [leistbarem] Wohnen für die lokale Bevölkerung; sozio-ökonomische Disparitäten)?

Damit schafft das Projekt nicht nur für Tourismuswissenschaftler, sondern auch für zukünftige Entscheidungsträger in Politik und Tourismus eine essenzielle Wissensbasis über die Verschränkungen von Tourismus und Immobilienmarkt. Mit diesem besseren Verständnis über aktuelle und zukünftige Entwicklungen können potenzielle Raumnutzungskonfliktfelder (z. B. bezahlbarer Wohnraum, Flächenkonkurrenz, Flächenversiegelung) frühzeitig erkannt und mit regionalspezifischen Governance-Strategien verhindert werden. Das Projekt ist damit in besonderem Maße geeignet einen signifikanten Beitrag zur interdisziplinären Tourismusforschung und aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten über nachhaltige Siedlungs- und Regionalentwicklung zu leisten.

Projektleitung: Prof. Dr. Christian Steiner (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fachgebiet Humangeographie)

Start der Forschungsprojekte ist ab September 2021 mit einer Laufzeit von 12 Monaten, die Fördersumme je Projekt beträgt 50.000 Euro.