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Schlagworte: Tourismussektor, ländlicher Raum
Von Dr. Erik Lindner, 26. März 2020
© iStock.com/aloha_17
Der Tourismussektor nimmt generell großen Einfluss auf die regionale Wirtschaft – etwa durch entstehende Einnahmen, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder den Ausbau der Infrastruktur. Tourismusangebote im ländlichen Raum haben sich in den letzten Jahren enorm verändert. Die Frage, welchen Beitrag der Tourismus für den ländlichen Raum über die direkte und indirekte Wertschöpfung hinaus liefert, wird in der Literatur aber auch auf der regionalen Ebene vielfach diskutiert. Dieser Beitrag untersucht den aktuellen Stand der Diskussion und schlüsselt die sich ergebenden Effekte auf.
Auch wenn die ökonomischen Wirkungen im Sinne einer „Einkommenssicherung“ beim ländlichen Tourismus oftmals sehr gering sind, so zeigen sich dennoch positive Wirkungen im Bereich Freizeitinfrastruktur/Naherholung, eine verbesserte raumbezogene Identität sowie die Aktivierung lokaler Akteure (vgl. Neumeier, S.; Pollermann K., 2011). Diese positiven Effekte können die ländliche Entwicklung insgesamt stark unterstützen.
Zu den touristischen Effekten gehören alle Auswirkungen von Freizeit- und Tourismusaktivitäten auf die wirtschaftliche, soziale und ökologische Situation im Reiseziel. Die Effekte bedingen sich stets gegenseitig und sind abhängig von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bedingungen im Zielgebiet. Es ergeben sich oftmals eine Fülle von Wirkungen, die sowohl positiv als auch negativ konnotiert sind, und auf den ersten Blick nicht dem Tourismus zugeschrieben werden.
Ländlicher Tourismus ist nicht gleich ländlicher Tourismus. So gibt es ein breites Spektrum unterschiedlicher Ausprägungen.
In Naherholungsgebieten am Rande einer Stadt etwa liegen die Gästezahlen oftmals weitaus höher, als in einer peripheren Region, die zum Beispiel vermehrt ländlich geprägte Tourismusaktivitäten anbietet. Daher bedarf es stets einer individuellen Betrachtung der jeweiligen Destination.
Bei genauer Betrachtung all dieser Effekte ist eine genaue Zuordnung der entstehenden Wirkungen sehr aufwändig. Insbesondere im Bereich der sozialen/gesellschaftlichen Effekte ist eine Vielzahl an möglichen Wirkungszusammenhängen zu vermuten, die auch für den Tourismus im ländlichen Raum prägende Wirkungen entfalten können.

Quelle: eigene Darstellung nach Spektrum (o. J.)
Die ökonomischen Effekte unterscheiden sich in direkte (Ausgaben der Touristen für Güter und Dienstleistungen in einer Destination), indirekte (Leistungsangebot entlang der Wertschöpfungskette) und induzierte (Verausgabung der erzielten Einnahmen durch den Tourismus) Effekte.
Die regionalen/räumlichen Ausgleichs- und Infrastruktureffekte, werden ebenso zu den ökonomischen Effekten gezählt. Jedoch gehen Infrastruktureffekte über die ökonomische Betrachtung hinaus, da sie einen quantitativen und qualitativen Zusatznutzen darstellen können, der zum Ausgleich regionaler Unterschiede wesentlich beiträgt.
Der ländliche Raum bietet eine Fülle von Beschäftigungsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen. So verzeichnen der verdichtete und der gering verdichtete ländliche Raum seit den 1970er Jahren ein Wachstum von 57 Prozent beziehungsweise 46 Prozent bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (vgl. VBW, 2014).
Soziokulturelle Wirkungen des Tourismus sind oftmals problematisch zu sehen. So kann es etwa bei punktuellen Überbelastungen (Overtourism) zu Störungen auf der sozialgesellschaftlichen Ebene kommen. Die Alters- und Sozialstruktur kann sich ändern und somit auch das gesamte soziale Gefüge. Hier entscheidet die Lebens- und Wohnqualität, ob eine solche Veränderung positiv oder negativ wahrgenommen wird. Soziokulturelle Effekte können wiederum auch zu einer Dynamisierung starrer Strukturen beitragen.
Natur und Landschaft sind noch viel mehr als in anderen Bereichen des Tourismus wesentliche Ressourcen, die bei der Destinationsentscheidung der Touristen eine große Rolle spielen. (vgl. Schmude/Namberger, 2015). Hierbei geht es also um den Basiskonflikt der Tourismusentwicklung zwischen ökonomischem und sozialem Erfolg und ökologischer Überforderung (vgl. Spektrum, o. J.).
Die Verbesserung der Infrastrukturausstattung durch die Wirkungen des Tourismus führen zu einer Aufwertung touristischer Gemeinden und Regionen und zu Attraktivitätssteigerungen – sowohl für Einheimische als auch für Touristen. Die erhöhte Nachfrage in den Regionen trägt zur Existenzsicherung von Einzelhandel, Dorfkneipen, Drogerien, Ärzten und Apotheken, Post- und Sparkassenfilialen, Heimatmuseen und Konzerten bei.
Durch ein gutes Netz touristischer Angebote können Image und Bekanntheit einer Destination maßgeblich gesteigert werden. Dies führt zu steigenden Touristenzahlen und einer erhöhten Identifikation der Einheimischen mit der Gemeinde oder Region. Somit verbessert der Tourismus grundsätzlich die gesamte Standortqualität von Gemeinden und Regionen. Gerade bei der Anwerbung von Fach- und Führungskräften ist die Attraktivität des Standortes von entscheidender Bedeutung – insbesondere mit Blick auf die demographische Entwicklung in den ländlichen Räumen Bayerns. Da die Aufnahmekapazität der touristischen Gemeinden allerdings häufig auch beschränkt ist und die Preise für den Erwerb oder die Miete von Immobilien in diesen Gemeinden steigen, kann sich dieser Effekt sogar auf die umliegenden, nicht-touristischen Gemeinden ausweiten – mit den oben genannten positiven, aber auch negativen Folgewirkungen.
Die touristische Nachfrage sichert das Angebot im ÖPNV in den ländlichen Regionen. Nur der touristische Bedarf ermöglicht vielerorts ein breiteres Angebot, nicht zuletzt am Wochenende und in den Ferienzeiten. Zusätzlich ergeben sich auch im Bereich der allgemeinen Straßeninfrastruktur Vorteile aus dem Tourismus, da – insbesondere für den Anteil des kommunalen Straßennetzes in den ländlichen, touristisch geprägten Regionen – in der Regel mehr Mittel zur Sanierung und für Neubauten zur Verfügung stehen. Dies gilt ebenso für den Auf- und Ausbau des Wander- und Radwegenetzes.
Touristen sorgen oftmals für die notwendige Grundauslastung von Gastronomie- und Übernachtungsbetrieben, Ärzten, Apotheken, Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen, ohne die ein wirtschaftlicher Betrieb nicht aufrechtzuerhalten wäre (vgl. Neumeier/Pollermann, 2011). Dies wiederum steigert die Lebens- und Versorgungsqualität der einheimischen Bevölkerung.
Der demographische Wandel verändert die gesellschaftlichen Strukturen, nicht nur in den ländlichen Regionen. Lebensstile sind der Pluralisierung unterworfen und der demographische Wandel sorgt dafür, dass die Gesellschaft immer älter wird. Dieser Wandel wird für Freizeit und Tourismus zunehmend wichtiger.
Der Gesundheitstourismus bietet viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten für spezialisierte Ärzte und sonstige Dienstleister im Gesundheitswesen. Der Tourismus im ländlichen Raum kann davon insofern profitieren, als das „gesundheitsorientierte Dienstleistungen (z. B. Kuren, Anwendungen) häufiger mit Freizeit- und Reiseangeboten kombiniert“ werden (Troeger-Weiß, 2015).
Auch der Bereich der Kulturwirtschaft der ländlichen Regionen kann von diesen Entwicklungen profitieren, wenn es gelingt, die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen und die benötigten Netzwerke aus Akteuren der Kulturwirtschaft zu schaffen.
Jedoch sind Geburtenrückgange und sinkende Schülerzahlen, gerade im ländlichen Raum, ein Hinweis darauf, dass der touristische Arbeitsmarkt in einem Wettbewerb um Nachwuchskräfte steht (vgl. THV, o. J.). Hier bedarf es zukünftig nachhaltiger, innovativer Konzepte zur Mitarbeitersuche und -bindung.
Der Klimawandel verändert bereits heute die Struktur von vielen Freizeit- und Tourismusdestinationen – zum Beispiel in Skigebieten (vgl. Troeger-Weiß, 2015). Daher empfiehlt es sich, für jede Tourismusregion eine Einschätzung vorzunehmen, um zielgebietsspezifisch die Wirkungen, Chancen und Risiken des Klimawandels mikroregional abschätzen zu können. Durch den Klimwandel wird sich die Sommersaison in Deutschland verlängern. Durch immer kürzere und häufigere Reisen, werden Touristen auch vermehrt außerhalb der Hauptreisezeiten Destinationen aufsuchen, was zu einer Entzerrung des gesamten Touristenaufkommens führt. Von einer erkennbaren gesteigerten Nachfrage nach einem „sanftem Tourismus“ kann der ländlicher Raum profitieren, wenn es ihm gelingt, sein Angebot entsprechend zu vermarkten.
Bei der Gestaltung, im Management und im Marketing einer nachhaltigen Destination kommt es auf die Integration der drei Bereiche der Wirkungen des Tourismus an. Die ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Wirkungen des Tourismus müssen gleichermaßen Beachtung finden (vgl. Schmude/Namberger, 2019). Gelingt die Synthese aller drei Bereiche, so ergibt sich die Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus im ländlichen Raum, der einer gestiegenen Nachfrage nach Eco-Tourism und Eco-Naherholungsverkehr entgegenkommt (vgl. Troeger-Weiß, 2015).

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist als wesentliche Herausforderung und Chance für den Tourismus im ländlichen Raum zu charakterisieren, da das Konzept alle zuvor genannten Herausforderungen umfasst. Es wird in Zukunft sehr darauf ankommen, sich mit der strategischen Implementierung nachhaltiger Ansätze in den regionalen touristischen Entwicklungskonzepten auseinanderzusetzen und die Strategien und Maßnahmen in geeigneter Weise an die potentiellen Gäste, aber auch an die einheimische Bevölkerung zu kommunizieren.
Die meisten Maßnahmen, die mit Blick auf die Bedürfnisse der Touristen ausgesteuert werden, haben immer auch einen Effekt auf die einheimische Bevölkerung. Dies sollte bei allen geplanten Vorhaben dringend kommuniziert werden, um die Akzeptanz, beispielsweise für den Ausbau der touristischen Infrastrukturen, zu gewährleisten. Letztendlich können so alle Beteiligten direkt oder indirekt vom Tourismus im ländlichen Raum profitieren, aktuellen gesellschaftlichen Trends Rechnung getragen und die regionale, ländliche Entwicklung auch durch den Tourismus gesichert werden.

Bayerisches Zentrum für Tourismus
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