FACHVERANSTALTUNG

Schnee, Sonne, Nachhaltigkeit – Zukunftsorientierte Strategien für Winterdestinationen

live am 3. Dezember 2025 I 10.00 bis 11.30 Uhr

Eine Veranstaltung von:

Das Logo des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus mit einem bayerischen Wappen mit zwei goldenen Löwen und blauem Text in deutscher Sprache.
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Unsere Gäste

Eine Frau mit schulterlangem braunem Haar lächelt vor einem Holzzaun. Sie trägt eine helle Jacke über einem rosa Spitzenoberteil.

Katharina Gasteiger

Geschäftsführerin

Gemeinde-Netzwerk „Allianz in den Alpen“ e.V.

Ein Mann mittleren Alters mit Schnurrbart lächelt freundlich in die Kamera. Er hat kurzes, schütteres Haar und trägt ein Hemd mit Kragen und eine strukturierte Weste. Im Hintergrund sind Holzwände zu sehen.

Konrad Kienle

Bürgermeister

Gemeinde Balderschwang

Ein lächelnder Mann in einem weißen Hemd, der eine dunkle Jacke über der Schulter trägt, steht vor einem ruhigen See mit einem dichten Wald im Hintergrund.

Günter Reimann

Destinationsmanager Bayerischer Wald

Tourismusverband Ostbayern e.V.

Eine Frau mit hellbraunem Haar, die ein traditionelles bayerisches Kleid trägt, lächelt im Freien mit bewaldeten Hügeln und hohen, schroffen Bergen im Hintergrund unter einem klaren blauen Himmel.

Teresa Hallinger

Leiterin Destinationsmanagement

Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden

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Die Konferenz im Überblick

Die Online-Fachveranstaltung wurde von Prof. Dr. Alfred Bauer und Prof. Dr. Jürgen Schmude vom Bayerischen Zentrum für Tourismus (BZT) moderiert und beleuchtete die aktuellen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Wintertourismus in Bayern. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen des Klimawandels auf Schneesicherheit, die wirtschaftliche Bedeutung der Wintersaison sowie Strategien zur Anpassung und Transformation von Destinationen. Die Veranstaltung bot einen Überblick über aktuelle Studienergebnisse und Praxisbeispiele aus verschiedenen Regionen.

Zu Beginn wurden einige zentrale Zahlen vorgestellt: Der Tourismus in Bayern erzielte 2024 einen Gesamtumsatz von 37,5 Milliarden Euro, wovon 44 Prozent – rund 16 Milliarden Euro – auf das Winterhalbjahr entfallen, so eine aktuelle Studie des dwif. Laut einer aktuellen Umfrage des BZT planen 39 Prozent der Deutschen zwischen Dezember 2025 und April 2026 eine Reise, knapp ein Drittel davon möchte den Urlaub im Schnee verbringen. Hinzu kommen 31 Prozent der deutschen Bevölkerung, die Tagesreisen mit Schneeaktivitäten planen. Bei Schneemangel reagieren die Gäste unterschiedlich: 22 Prozent verschieben den Zeitpunkt ihres Urlaubs, 36 Prozent wechseln die Aktivität und elf Prozent verreisen wie geplant. Diese Gruppen bleiben der Destination treu. 24 Prozent gehen den ursprünglich gewählten Destinationen jedoch durch Abwanderung der Reisenden in einen anderen Urlaubsort mit höherer Schneesicherheit verloren.

Grußwort der Staatsministerin

Michaela Kaniber (Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus) betonte in ihrem Grußwort, dass der Klimawandel vor allem für den Winter große Herausforderungen mit sich bringt. Bayern hat schon frühzeitig mit einer Diversifizierung des Angebots reagiert: Wandern, Wellness, Naturerlebnisse, Kultur und Kulinarik bieten schon heute Angebote für den Wintertourismus. Dennoch bleibt Schnee ein zentraler Wertschöpfungsfaktor. Die Ministerin appellierte an die Zuhörerinnen und Zuhörer, mit Kreativität, Flexibilität und vor allem Durchhaltevermögen auch ohne Schneeangebote die Wintersaison zu sichern.

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Zukunftsszenarien für den Wintertourismus

Prof. Dr. Alfred Bauer stellte die Zukunftsszenarien für den Wintertourismus vor, die das BZT in einem elfmonatigen Prozess mit 31 Expertinnen und Experten entwickelt hat. Dabei wurden sieben Szenarien erarbeitet:

Matrixdiagramm mit acht farbigen Kreisen, die jeweils mit einer Tourismusstrategie mit Winter- oder Ganzjahresfokus beschriftet sind. Pfeile und Beschriftungen an den Seiten vergleichen verschiedene Tourismusansätze. Eine Legende erläutert die Matrixachsen und -kategorien.

Gewünscht und erwarter sind seitens der Expertinnen und Experten zum einen Entwicklung hin zu einem Ganzjahrestourismus (Szenario 6) und zum anderen zu klimaneutralen Schneeerlebnissen (Szenario 5), während Stillstand kein zukunftsfähiges Szenario sein kann. Als ein Beispiel für die praktische Umsetzung wurde die Strategie des Allgäus genannt: Die Region will eine Ganzjahresdestination mit zwei starken Saisonen bleiben und hat dafür Transformationsstrategien entwickelt.

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Projekt „BeyondSnow“

Katharina Gasteiger stellte das Projekt „BeyondSnow“ vor, das Destinationen bei der Anpassung an Schneemangel unterstützt. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass der Klimawandel zu weniger Schneetagen und unsicheren Wintersportbedingungen führt – besonders in mittleren Höhenlagen. Kurzfristige Lösungen wie technische Beschneiung sind keine nachhaltige Strategie, da sie hohe Kosten, Wasserverbrauch und Energiebedarf verursachen.

Die zentrale Botschaft des Projekts lautet: Destinationen müssen sich von der reinen Schneeorientierung lösen und ganzjährig attraktive Angebote schaffen – Natur, Kultur, Wellness und neue Freizeitformate. Alle Projektergebnisse und Tools sind öffentlich zugänglich und sollen als Grundlage für weitere Initiativen dienen.

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Best Practices

Balderschwang

Balderschwang ist die kleinste und höchstgelegene eigenständige Gemeinde Deutschlands auf über 1.000 Meter und wird oft als „bayerisch Sibirien“ bezeichnet. Dennoch sieht sich auch dieser Ort mit den Herausforderungen des Klimawandels konfrontiert. Im Gespräch betonte Konrad Kienle, warum sich der Ort am Projekt „BeyondSnow“ beteiligt hat.

  • Motivation: Die Gemeinde wollte frühzeitig Strategien entwickeln, um den Wintertourismus zukunftsfähig zu machen. Balderschwang verfolgt die Vision „Ganzjährige Naturauszeit für drei Generationen“. Dazu gehören flexible Angebote für Winter mit und ohne Schnee, nachhaltige Mobilitätslösungen und die Entwicklung neuer Formate wie eine Wanderolympiade.
  • Reaktionen im Ort: Durch den partizipativen Prozess mit Workshops, Interviews und der Einbindung der Jugend („Generation Zukunft“) entstand eine breite Akzeptanz bei den Einheimischen.
  • Herausforderung: Investitionen sind notwendig, um die Infrastruktur anzupassen und den Gästen attraktive Alternativen zu bieten. Das Beispiel Balderschwang zeigt, wie wichtig es ist, alle Akteure – von Hoteliers bis zur Jugend – in die Strategieentwicklung einzubeziehen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln.

Bayerischer Wald

Der Bayerische Wald – stellvertretend für Mittelgebirgsregionen – ist eines der größten Wintersportgebiete Deutschlands für nordische Sportarten wie Langlaufen mit rund 2.000 Loipenkilometern aller Schwierigkeitsgrade, 80 Liftanlagen und 86 Pistenkilometern. Günter Reimann berichtete, dass die Region stark vom Tagestourismus geprägt ist und von vielen als Einstieg in den Wintersport genutzt wird. Trotz der klimatischen Veränderungen konnte der Bayerische Wald in den Hochlagen im letzten Winter über 100 Betriebstage im alpinen und nordischen Bereich verzeichnen. Um die Zukunftsfähigkeit zu sichern, wurden und werden mehrere Maßnahmen umgesetzt:

  • Digitalisierung: Mit dem „Loipenmanager“ wurde ein digitales System eingeführt, das Wintersportbedingungen in Echtzeit erfasst und kommuniziert. Die Loipenspurgeräte sind mit GPS ausgestattet, sodass die Gäste jederzeit sehen können, wo aktuell gespurt wird.
  • Diversifizierung: Neben dem klassischen Wintersport setzt die Region auf Wellnesshotellerie und Gesundheitsangebote, die unabhängig von den Schneebedingungen funktionieren. Auffällig ist, dass der November mittlerweile einer der stärksten Monate für Wellnessübernachtungen ist.
  • Ganzjahresangebote: Die Nutzung bestehender Liftinfrastruktur für den Sommertourismus wird ausgebaut. Ein Bikepark am Großen Arber ist inzwischen einer der größten im Bayerischen Wald und zieht neue Zielgruppen an.
  • Die Erkenntnis aus dem Projekt „BeyondSnow“: Die Sensibilisierung der Leistungsträger für Klimaanpassungsmaßnahmen und die enge Zusammenarbeit mit der Forschung und Nachhaltigkeitsinitiativen sind entscheidend, um langfristig tragfähige Konzepte zu entwickeln.
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Berchtesgaden

Teresa Hallinger berichtete, dass sich die Region Berchtesgaden nach der Einstellung des alpinen Skibetriebs am Jenner im Jahr 2024 neu positionieren musste. Die Umsätze blieben weitgehend stabil, da die Destination auf ihre vielfältigen Angebote jenseits des Skifahrens setzt. Dazu gehören:

  • Aktivitäten: Winterwandern auf 200 Kilometer geräumte Winterwanderwege, teilweise im Nationalpark Berchtesgaden sowie Langlauf und Skitouren mit mehr als 100 Kilometer gespurte Loipen sowie ausgewiesenen Skitourenrouten.
  • Events und Erlebnisse: Veranstaltungen wie das „Winterleuchten“ oder Abendfahrten nach St. Bartholomä schaffen emotionale Erlebnisse und stärken die Attraktivität der Region in schneearmen Zeiten.
  • Familienskigebiete: Kleinere Skigebiete bleiben erhalten und bieten vor allem Einheimischen und Familien die Möglichkeit, weiterhin Wintersport zu betreiben.
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Fazit

Alle vorgestellten Destinationen setzen auf Ganzjahresstrategien, flexible Angebotsgestaltung und eine ehrliche Kommunikation mit den Gästen. Der Ausbau der Infrastruktur für die hybride Nutzung im Winter und im Sommer, die Digitalisierung der Informationskanäle und die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätslösungen sind zentrale Bausteine. Die Beispiele verdeutlichen, dass der Weg zum Ganzjahrestourismus individuell gestaltet werden muss – abhängig von Lage, Größe und gewünschten Zielgruppen der jeweiligen Destination.

Dabei prägt der Leitgedanke „Schnee kann, Schnee muss aber nicht“ die Zukunft des Wintertourismus in Bayern, so Prof. Dr. Alfred Bauer.

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