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Schlagworte: Kultur, Alltagskultur, Kulturtourismus

Kulturtourismus

1. Oktober 2026

© iStock.com/Pattarisara Suvichanarakul

Für über die Hälfte der Deutschen ist Kultur ein wichtiger Bestandteil des Urlaubs, wenngleich Kultur für die Mehrheit dieser Personen nicht ihr wichtigstes Reisemotiv ist. Das zeigt eine im August 2026 durchgeführte repräsentative Umfrage des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) unter ca. 3.000 Personen der deutschsprachigen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 74 Jahren. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Bedeutung von Kultur im Reise- als auch im Alltagskontext. Darüber hinaus wurden Assoziationen zum Begriff „Kultur“, die Relevanz verschiedener kultureller Angebote im Alltag und auf Reisen, die Rolle kultureller Angebote bei der Reiseentscheidung und -gestaltung, die Merkmale eines besonderen kulturellen Reiseerlebnisses sowie das Informationsverhalten zu kulturellen Angeboten vor und während des Urlaubs abgefragt.

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Assoziationen zu „Kultur“

Allgemein wird der Begriff „Kultur“ am häufigsten mit Aspekten der Hochkultur assoziiert. 30 Prozent der Befragten verbinden Kultur mit Musik und Konzerten, 26 Prozent mit Theater und Schauspiel. Jeweils 18 Prozent nennen Kunst beziehungsweise Museen. Darüber hinaus werden auch Traditionen, Esskultur, Menschen, Lebensart sowie Vielfalt mit Kultur in Verbindung gebracht. Diese Aspekte haben im Gegensatz zur allgemeinen Assoziation mit dem Begriff Kultur auf Reisen eine noch höhere Bedeutung. Die Ergebnisse zeigen damit ein breites Kulturverständnis, das über klassische Kulturangebote hinausgeht und Unterschiede zwischen Alltag und Urlaub aufweist.

Eine Wortwolke mit den großen Wörtern „Musik“, „Konzerte“, „Theater“, „Schauspiel“ und „Museen“, umgeben von kleineren deutschen Wörtern aus dem Bereich Kultur und Kunst, wie „Kunst“, „Kino“, „Literatur“ und „Tradition“...

Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Anzahl der Nennungen

Kultur im Alltag und auf Reisen

Kultur besitzt für die Deutschen sowohl im Alltag als auch auf Reisen eine hohe Relevanz: 46 Prozent geben an, dass Kultur für sie persönlich im Alltag einen eher wichtigen oder sehr wichtigen Stellenwert hat. Für über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) hat Kultur auf Reisen eine eher wichtige bis sehr wichtige Bedeutung. Besonders angesprochen fühlen sich die Deutschen sowohl im Alltag als auch auf Reisen von Angeboten aus den Bereichen Kunst, Geschichte und Bildung (79 Prozent im Alltag, 72 Prozent auf Reisen), Traditionen und regionale Kultur (77 Prozent im Alltag, 74 Prozent auf Reisen) sowie Alltagskultur und regionales Leben (jeweils 68 Prozent). Die Ergebnisse zeigen somit, dass kulturelle Interessen nicht auf klassische Kulturangebote beschränkt sind, sondern ebenso regionale Lebensweisen, Traditionen und den Alltag der Menschen vor Ort einschließen.

Kultur im Rahmen der Reiseentscheidung und -gestaltung

Für lediglich zehn Prozent der Deutschen, ist Kultur oft der Hauptanlass einer Reise. Die Mehrheit ordnet kulturelle Angebote jedoch anderen Reisemotiven unter: 31 Prozent geben an, auf Reisen regelmäßig kulturelle Angebote/Attraktionen zu nutzen, obwohl der Hauptreiseanlass meist ein anderer ist (z. B. Erholung, Gesundheit). Für 39 Prozent ist Kultur ein gelegentlicher oder spontaner Reisebaustein (z. B. bei schlechtem Wetter). Zwölf Prozent nutzen auf Reisen grundsätzlich kaum kulturelle Angebote oder Attraktionen, für vier Prozent spielt Kultur auf Reisen keine Rolle.

Insbesondere für die jüngeren Altersgruppen (18 bis 29 Jahre) scheinen kulturelle Angebote und Attraktionen im Rahmen ihrer Reisen von zentraler Relevanz zu sein: 20 Prozent nennen Kultur als Hauptreiseanlass. Weitere 38 Prozent nutzen auf Reisen regelmäßig kulturelle Angebote und Attraktionen, auch wenn ihre Reise primär anderen Motiven dient.

Kulturelle Angebote werden auf Reisen insbesondere dann (gelegentlich) genutzt, wenn der Wunsch besteht, etwas für die Region Typisches zu erleben (46 Prozent). Über ein Drittel geben jeweils an, ein kulturelles Angebot zu nutzen, wenn es ein besonderes Highlight darstellt (42 Prozent), wenn vor Ort eine besondere Veranstaltung stattfindet (z. B. Festival, Konzert, Sonderausstellung, Volksfest) (41 Prozent) oder wenn entsprechende Angebote von z. B. Einheimischen, Gastgebern oder Bekannten empfohlen werden (39 Prozent).

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass kulturelle Angebote häufig dann ergänzende bzw. untergeordnete Reisebausteine bleiben, wenn andere Aspekte wie Erholung oder Sport im Mittelpunkt der Reise stehen (31 Prozent), die Angebote als zu teuer wahrgenommen werden (21 Prozent) oder Informationen über kulturelle Angebote am Reiseziel fehlen (18 Prozent).

Informationsverhalten zu kulturellen Angeboten vor und während des Urlaubs

Während sich 63 Prozent der Deutschen, die (gelegentlich) kulturelle Angebote auf Reisen nutzen, bereits vor dem Urlaub über das kulturelle Angebot am Reiseziel informieren, steigt dieser Anteil während des Urlaubs auf 81 Prozent. Dabei zeigt sich: Je jünger die Befragten sind, desto häufiger informieren sie sich bereits vor Reiseantritt über das kulturelle Angebot vor Ort. Während des Urlaubs informieren sich die Altersgruppen hingegen in vergleichbarem Umfang über das kulturelle Angebot am Reiseziel.

Als wichtigste Informationsquelle vor Ort dient denjenigen, die sich während des Urlaubs über das kulturelle Angebot informieren das Internet beziehungsweise Google (60 Prozent). Es folgen die Unterkunft am Zielort (50 Prozent) sowie Tourist-Informationen (45 Prozent). Während ältere Altersgruppen häufiger auf Tourist-Informationen und Unterkünfte zurückgreifen, nutzen jüngere Befragte insbesondere soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube sowie das Internet/Google.

Das kulturelle Reiseerlebnis

Ein besonderes kulturelles Reiseerlebnis besteht für über die Hälfte der Kulturnutzenden auf Reisen darin, Einblicke in das lokale Leben und die Lebensweise der Menschen vor Ort zu bekommen (z. B. Gewohnheiten, Traditionen, regionale Besonderheiten oder den Alltag der Bevölkerung kennenlernen und erleben) (54 Prozent). 51 Prozent nennen Kulturorte und Kulturlandschaften (z. B. historische Orte, Architektur, Ortsbilder oder besondere Atmosphäre). Für 41 Prozent machen Erkenntnisse und neue Perspektiven (z. B. Neues über Geschichte, Traditionen oder Lebensart lernen) ein kulturelles Reiseerlebnis besonders.

Die Ergebnisse unterstreichen insbesondere die Bedeutung des lokalen Lebens für das kulturelle Reiseerlebnis: Mehr als drei Viertel der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Orte des alltäglichen Lebens, etwa Märkte, Cafés oder öffentliche Treffpunkte, ebenso interessant sein können wie bekannte Sehenswürdigkeiten. 76 Prozent möchten auf Reisen die Region möglichst so erleben, wie sie auch von den Menschen vor Ort erlebt wird. Für 75 Prozent kann das alltägliche Leben am Reiseziel selbst eine touristische Attraktion darstellen.

Als „echt“ empfundene kulturelle Reiseerlebnisse werden vor allem mit bestimmten Orten, Regionen oder Ländern (22 Prozent) sowie mit Essen und regionaler Küche (neun Prozent) verbunden. Als besonders prägende Elemente eines solchen Erlebnisses werden vor allem Natur und Landschaft (acht Prozent), Begegnungen mit Einheimischen (sieben Prozent), die Geschichte des Ortes (sechs Prozent) sowie regionale Küche und Esskultur (fünf Prozent) genannt.

Gleichzeitig bleibt die Vorstellung eines „echten“ kulturellen Reiseerlebnisses häufig vage: Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gibt an, auf ihrer letzten Reise kein authentisches beziehungsweise „echtes“ kulturelles Reiseerlebnis gehabt zu haben.

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Methodik

Befragungszeitraum: 13.08.2026 bis 31.08.2026

Zielpersonen/Stichprobe: Die Grundgesamtheit dieser Untersuchung umfasst Männer und Frauen im Alter von 18-74 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Der Umfang dieser Gesamtheit beträgt ca. 59.318.000 Personen (deutschsprachige Bevölkerung). Daraus wurde eine repräsentative Stichprobe im Umfang von ca. 3.000 Personen gezogen.

Durchführung der Studie: NielsenIQ

Methode: Dieser Untersuchung liegt methodisch eine Quotenstichprobe zugrunde. Die Ermittlung der Quoten erfolgte auf der Basis amtlicher Statistiken (Mikrozensus 2022) sowie eigener Berechnungen. Zur Gewährleistung einer repräsentativen Stichprobe werden die Merkmale Geschlecht, Alter, Bundesland, Ortsgröße, Haushaltsgröße und Schulbildung des Haushaltsvorstandes quotiert. Die Befragung der Panel-Teilnehmer erfolgte anhand eines strukturierten Fragebogens per CAWI (Computer Assisted Web Interview), also Online. Das Interview ist mobile friendly programmiert, kann also auch auf dem Smartphone oder Tablet verwendet werden.

Auswahl der Probandinnen und Probanden: Auf Grundlage des aktuellen Mikrozensus werden für jeden NIQ eBUS die Teilnehmer aus den Accesspanels der GfK GmbH (NiceQuest), von DYNATA, CINT, BILENDI und NORSTAT per Quota-Auswahl angefiltert. Die Probanden werden per E-Mail zur Befragung eingeladen und erhalten zusätzlich die Benachrichtigung in ihrem persönlichen Bereich der jeweiligen Access-Panels.

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