ONLINE-FORUM

Winter(sport)tourismus: Rückblick und Ausblick

live am 14. April 2026 I 10.00 bis 11.30 Uhr

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Unsere Gäste

Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und gestutztem Bart lächelt in die Kamera, er trägt ein gemustertes Hemd zum Aufknöpfen. Der Hintergrund ist eine unscharfe Luftlandschaft mit Grün- und Blautönen.

Lothar Bock

Leiter des Sachgebietes Sachverständigengutachten und Klimaberatung

DWD-Klimabüro München

Eine junge Frau mit langen braunen Haaren und braunen Augen lächelt leicht in die Kamera. Sie trägt ein dunkles Oberteil und steht vor einem schlichten, hellen Hintergrund.

Verena Fischer

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Bayerisches Zentrum für Tourismus

Eine Frau mit langen braunen Haaren und Brille lächelt leicht. Sie steht im Freien, vor einer Steinmauer. Sie trägt ein helles Oberteil und kleine Ohrringe.

Laura Reiter

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Department für Geographie

Ludwig-Maximilians-Universität

Ein Mann mit kurzen, gewellten braunen Haaren lächelt in die Kamera. Er trägt ein hellblaues Button-up-Hemd und steht vor einem schlichten, hellen Hintergrund.

Elias Walser

Geschäftsführer

Tourismusverband Seefeld

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Die Konferenz im Überblick

Mildere Winter, geringere Niederschläge und ein verändertes Gästeverhalten stellen den alpinen Wintertourismus zunehmend vor strukturelle Herausforderungen. Welche konkreten Veränderungen bereits sichtbar sind und welche Anpassungsstrategien künftig erforderlich werden, stand im Mittelpunkt des zweiten Online‑Dialogs der BZT‑Jahresdialoge 2026. Unter der Moderation von Prof. Dr. Alfred Bauer und Prof. Dr. Jürgen Schmude (Bayerisches Zentrum für Tourismus) diskutierten Fachleute aus Klimaforschung, Wissenschaft und touristischer Praxis die Wintersaison 2025/2026 und ordneten die aktuellen Entwicklungen für Bayern und den Alpenraum ein.

Schneearme Winter als neues Normal?

Der Winter 2025/2026 war aus klimatologischer Sicht erneut geprägt von milden Temperaturen und geringen Niederschlägen. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war er „milder, trockener und sonniger als im Klimamittel 1991-2020“. Trotz einzelner Kältephasen blieb der ersehnte Naturschnee in vielen Regionen Bayerns aufgrund geringer Niederschläge aus.

Lothar Bock berichtet: Langfristige Auswertungen zeigen, dass diese Entwicklung kein Einzelfall ist. Bayern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar erwärmt – vor allem in den alpinen Regionen. Gleichzeitig nahm die Menge winterlicher Niederschläge häufig ab. Beispiele aus dem Fichtelgebirge, von der Firstalm oder aus Oberstdorf verdeutlichen: Zwar unterliegt die Schneedecke starken jährlichen Schwankungen, im langjährigen Trend ist jedoch ein klarer Rückgang erkennbar. Ein markanter Bruch zeichnete sich bereits Ende der 1980er‑Jahre ab, als schneearme Winter deutlich häufiger wurden.

Klimaprojektionen lassen erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Mit steigenden Treibhausgasemissionen ist insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit weiteren Temperaturanstiegen zu rechnen. Für den Niederschlag wird eine größere Variabilität prognostiziert, während verlässliche Aussagen zur Schneedeckenentwicklung weiterhin mit Unsicherheiten behaftet sind. Klar ist jedoch: Die natürliche Schneesicherheit nimmt ab, auch wenn einzelne Winter weiterhin schneereich ausfallen können.

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Wirtschaftlicher Skibetrieb – unter veränderten Bedingungen

Trotz dieser klimatischen Rahmenbedingungen bleibt der Wintertourismus in Teilen weiterhin wirtschaftlich tragfähig. Die Wintersaison 2025/2026 zeigte, dass schneeärmere Perioden nicht zwangsläufig einen Ausfall des Skibetriebs bedeuten. Technische Beschneiung und ein frühzeitiger Saisonstart ermöglichten an mehreren Standorten einen stabilen Betrieb mit über 100 Skitagen.

Antonia Asenstorfer schildert: Entscheidend ist jedoch ein hohes Maß an Flexibilität. Effizientes Schneemanagement, leistungsfähige Beschneiungsanlagen und ein vorausschauendes Wassermanagement gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Winterbetrieb allein langfristig nicht ausreicht. Immer wichtiger wird ein ganzjährig tragfähiges Angebotsportfolio, das sowohl Winter‑ als auch Sommergäste anspricht und regionale Wertschöpfung sichert.

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Gäste passen ihr Verhalten nur langsam an

Eine zentrale Frage für Destinationen lautet: Wie reagieren Gäste auf veränderte Winterbedingungen? Eine aktuelle Befragung des BZT, vorgestellt von Verena Fischer, zeigt, dass zwar ein Bewusstsein für abnehmende Schneesicherheit vorhanden ist, sich das Reiseverhalten jedoch nur schrittweise verändert. Zwar plant ein relevanter Teil der Urlauberinnen und Urlauber weiterhin Winterreisen, doch nur ein kleinerer Anteil verfolgt explizit schneegebundene Aktivitäten.

Für viele Reisende steht der Erholungsaspekt im Vordergrund – unabhängig von der Schneelage. Winterwandern oder Spazierengehen gewinnen an Bedeutung, klassische Wintersportarten bleiben jedoch weiterhin relevant. Gäste reagieren zwar situativ flexibel, grundlegende Verschiebungen bei Reisezeitpunkten oder Aktivitätspräferenzen sind bislang nur begrenzt erkennbar, fasst Laura Reiter zusammen.

Strategische Neuausrichtung auf Destinationsebene

Vor diesem Hintergrund rückt die strategische Weiterentwicklung von Destinationen in den Fokus. Tourismusregionen wie Seefeld in Österreich, vertreten durch Elias Walser, setzen zunehmend auf Diversifizierung, um ihre Abhängigkeit von Schnee zu reduzieren. Neben technisch abgesichertem Langlauf spielen genussorientiertes Wandern, lebendige Ortszentren sowie ergänzende Angebote wie Wellness, Eislaufen oder Winterwandern eine zentrale Rolle.

Der Ansatz ist dabei nicht als Abkehr vom klassischen Wintersport zu verstehen, sondern als Erweiterung: Skialpin bleibt ein wichtiges Kernprodukt, wird jedoch eingebettet in ein breiteres, ganzjähriges Erlebnisangebot. Ziel ist es, wetterbedingte Risiken abzufedern und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für Gäste zu erhöhen.

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Fazit: „Schnee kann, Schnee muss aber nicht.“

Der Wintertourismus steht nicht vor dem Ende, wohl aber vor einem strukturellen Wandel. Schneegebundene Angebote werden auch künftig Teil des touristischen Portfolios bleiben. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit, Angebotsvielfalt und einer ganzjährigen Perspektive auf Wertschöpfung.

Die zentrale Botschaft: Bestehende Stärken sichern und gleichzeitig konsequent weiterentwickeln. Attraktive, schneearme Alternativen, flexible Betriebsmodelle und eine enge Kopplung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielsetzungen sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des alpinen Tourismus.

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