ONLINE-FORUM

Overtourism

live am 24. Februar 2026 I 10.00 bis 11.30 Uhr

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Unsere Gäste

Ein Mann mittleren Alters mit kurzen grauen Haaren und leichten Bartstoppeln, der eine grüne Jacke über einem karierten Hemd trägt, lächelt und schaut in die Kamera vor einem schlichten grauen Hintergrund.

Stephan Märkl

Erster Bürgermeister

Gemeinde Grainau

Ein Mann mittleren Alters mit kurzen hellbraunen Haaren und blauen Augen, der eine dunkle Jacke mit grauem Kragen trägt, lächelt warm, während er in einem Innenraum bei weichem Tageslicht sitzt.

Stefan Fredlmeier

Tourismusdirektor

Füssen Tourismus und Marketing

Ein Mann mittleren Alters mit Glatze, hellem Bart und Schnurrbart, der eine Brille und ein schwarzes Kragenhemd trägt, lächelt leicht vor einem schlichten grauen Hintergrund.

Ralf Zednik

Leitung Marktforschung

München Tourismus, Veranstaltungen, Hospitality

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Die Konferenz im Überblick

Zu Beginn der Veranstaltung zitierte Prof. Dr. Alfred Bauer eine Studie zur Medienberichterstattung zum Thema Overtourism in Europa. Die Berichterstattung zum Thema Overtourism, die während der Corona-Jahre leicht rückläufig war, erreichte im Jahr 2024 einen neuen Höchststand an Veröffentlichungen, die sich insbesondere auf Südeuropa fokussieren. Auffällig ist, dass sich der Diskurs von einer reinen Branchenfrage hin zu einer politisch-gesellschaftlichen Debatte verschiebt. Im Gegensatz zu klassischen Hotspots (Barcelona, Venedig, Mallorca etc.) wird Overtourism in Deutschland und den Alpen medial weniger als Krise, sondern häufiger als Management- und Steuerungsproblem dargestellt.

Prof. Dr. Jürgen Schmude plädierte dafür, anstelle des Begriffs „Overtourism“, der gerne als Sammelbegriff für wahrgenommene negative Auswirkungen des Tourismus verwendet wird, von „Tragfähigkeit“ zu sprechen und führte in das Konzept der bereits in den 1990er Jahren entwickelten „Carrying Capacity“ ein. Er erläuterte kurz die sechs Dimensionen touristischer Belastungsgrenzen: physische, infrastrukturelle, ökologische, sozio-kulturelle, perzeptuelle und ökonomische Grenzen. Diese unterstreichen, dass Overtourism kein neues, eindimensionales Problem ist, sondern verschiedene Lebens- und Wirtschaftsbereiche berührt.

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Prof. Dr. Alfred Bauer stellte ausgewählte Ergebnisse einer aktuellen Studie des BZT unter der Bevölkerung in Deutschland vor: So kennen 55 Prozent der Befragten den Begriff Overtourism bzw. Übertouismus, von denen wiederum drei Viertel mit Übertourismus vor allem „zu viele Menschen“ an einem Ort verbinden. 46 Prozent haben das Phänomen bereits auf Reisen und/oder in ihrem Wohnort selbst schon erlebt, was bei mehr als der Hälfte der Personen (55 Prozent) zu Veränderungen des eigenen Reiseverhaltens führt: in der Nebensaison verreisen (61 Prozent), touristische Hotspots meiden (56 Prozent) und anderswo Urlaub machen (49 Prozent) sind individuelle Anpassungsstrategien.

Die Verantwortung zur Lösung des Problems sehen die Befragten sowohl bei den Reisenden (67 Prozent) als auch bei den Tourismusunternehmen und den politischen Entscheidungsträgern (40 Prozent).

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Destination im Wandel: vernetzen, steuern, Akzeptanz sichern

Stephan Märkl betonte die große Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor Nummer eins in seiner Region. Zugleich verwies er auf die Herausforderungen des Tagestourismus mit täglich 10.000 bis zu 15.000 Gästen an rund 30 Tagen in den Sommermonaten am Eibsee, einem Instagram-Hotspot. Dabei geraten der ÖPNV und die Parkplatzinfrastruktur punktuell und an einzelnen Tagen an ihre Grenzen. Daher unterstreicht der Grainauer Bürgermeister: „Die Vernetzung auf politischer Ebene und der Austausch mit den umliegenden Gemeinden ist für uns sehr wichtig, um insbesondere die Verkehrsproblematik in den Griff zu bekommen.“ Abschließend verwies er noch auf Befragungen unter der Grainauer Bevölkerung, die nach wie vor eine hohe Akzeptanz des Tourismus zeigen.

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Stefan Fredlmeier schilderte die Situation in Füssen und plädierte für eine gemeinwohlorientierte Weiterentwicklung des Tourismus. Neben wirtschaftlichen Interessen müsse die Bevölkerung aktiv mit einbezogen werden. „Wir sind inzwischen im Zeitalter des Destinationsmanagements 4.0. Das heißt, wir betrachten den Raum nicht nur als touristische Destination, sondern als Lebensraum“, so Stefan Fredlmeier.  Dabei sieht er auch die Bürgerinnen und Bürger in der Verantwortung, um in einer behutsamen Diskussion an langfristig tragfähigen Lösungen mitzuarbeiten.

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Benedikt Esser sprach sich gegen pauschale Beschränkungen für Reisebusse aus, die flächeneffizienter und nachhaltiger seien als der Individualverkehr. Statt genereller Verbote braucht es differenzierte Lösungen wie zentrale Bushaltezonen, Infrastruktur für E-Busse, Parkflächen an Stadtgrenzen sowie eine gezielte Lenkung von Verkehrsströmen. „Ein wirksames Management“ ist sich Benedikt Esser sicher, „wird vermutlich vor allem über KI und datengetriebene Steuerung erfolgen.“

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Ralf Zednik gab einen Einblick in die Entwicklung der Tourismusströme in München, die in den vergangenen Jahren durchschnittlich um sieben Prozent jährlich gewachsen sind. Täglich besuchen rund 325.000 Gäste die Stadt, drei Viertel davon sind Tagesgäste. „Wir sehen, dass die Bevölkerung den Tourismus als eines der zentralen wirtschaftlichen Standbeine Münchens sieht und dem Tourismus große Bedeutung in dieser Hinsicht zumisst“, so Ralf Zednik. Umfragen unter den Einheimischen zeigen, dass 65 Prozent der Münchnerinnen und Münchner die Auswirkungen des Tourismus positiv und lediglich neun Prozent negativ bewerten. Maßnahmen wie eine „zu den Einheimischen passende Zielgruppenauswahl“, Entsaisonalisierung, Besucherlenkung und die Förderung der Tourismuswertschätzung sollen dazu beitragen, die Lebensqualität hoch und mit der touristischen Attraktivität in Einklang zu halten.

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Die Diskutanten waren sich abschließend einig, dass dort, wo das Gefühl der Überlastung entsteht, die Ursachen detailliert zu analysieren sind, um geeignete Maßnahmen zur Lösung suchen und umsetzen zu können.

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