GEFÖRDERTES PROJEKT 2024/2025

Schlagworte: Ganzjahrestourismus, Wintertourismus, Destination

Vom Wintersporttourismus zum Ganzjahrestourismus: Wer geht, wer bleibt, wer kommt?

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Der Wintersporttourismus, der für viele bayerische Destinationen ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist, steht angesichts des Klimawandels unter einem hohen Anpassungsdruck. Anpassungsstrategien wie infrastruktureller Ausbau und technische Beschneiung stoßen zunehmend an ökologische, soziale und wirtschaftliche Grenzen. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Transformation zum Ganzjahrestourismus und die Diversifizierung des Angebots an Bedeutung, um die Abhängigkeit vom Schnee zu reduzieren und langfristige Stabilität zu sichern. Die vorliegende Studie untersucht am Beispiel der bayerischen Partnerdestinationen Achental (Chiemgau) und Bayrischzell Anpassungsmaßnahmen auf Akteurs- und Destinationsebene so wie die erwartete Reaktion der Nachfrageseite.

Das Achental hat früh auf einen ganzjährigen, naturnahen Outdoor-Tourismus gesetzt und profitiert von einer professionellen Steuerung durch die Destinationsmanagementorganisation (DMO) Achental Tourismus. Bayrischzell ist stärker wintersportorientiert, wodurch bestehende Infrastruktur viele Chancen für neue Angebote, aber auch strukturelle Abhängigkeit erzeugt und einen Handlungsdruck für schneeunabhängige Angebote aufbaut. An ihrem Beispiel wird das Verständnis für den Anpassungsspielraum und die -dynamiken auf Akteurs- und Destinationsebene vertieft und damit einen Beitrag zur tourismuswissenschaftlichen wie auch praxisorientierten Diskussion zur Klimawandelanpassung geleistet. Der Vergleich der unterschiedlichen Destinationen eröffnet anderen Destinationen und Akteursgruppen einen Orientierungsrahmen für die Analyse ihres eigenen Anpassungsspielraums.

Die Analyse der Skigebiete bzw. Skilifte als angebotsseitige Akteure zeigt, dass unterschiedliche Skigebietsstrukturen differenzierte Anpassungsstrategien erfordern. Kleinstskigebiete können durch Flexibilität und ehrenamtliches Engagement einen Wintersport-Baustein in einem Ganzjahrestourismus darstellen, während größere Anlagen auf Umnutzungen und Investitionen in schneeunabhängige Angebote angewiesen sind. Skischulen, Sporteinzelhandel und Verleih reagieren durch flexible Personalplanung, Risikomanagement und Diversifizierung, z. B. durch die Entwicklung zu ganzjährigen Bergschulen oder die Integration von Trendsportarten. Beherbergungsbetriebe passen Ausstattung und Service an, um schneeunabhängige Aufenthalte attraktiv zu gestalten, während Gastronomiebetriebe sich insbesondere durch koordinierte Öffnungszeiten und qualitative Angebote auf die Ganzjahresnutzung ausrichten. Die DMO übernimmt eine zentrale Steuerungs-, Vermittlungs- und Moderationsrolle: Sie entwickelt Vision und Marke, koordiniert Akteure, initiiert Kooperationen und unterstützt die Umsetzung von Ganzjahresangeboten. Kooperation, Kompromissbereitschaft und aktive Unterstützung durch politische und touristische Einheiten sind entscheidend, während praxisnahe Privatunternehmen die operative Haupttreiber der Transformation darstellen.

Insgesamt haben die meisten Akteure Wege gefunden, sich erfolgreich anzupassen, und klimawandelbedingte Schließungen sind in den untersuchten Destinationen bisher selten.

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Projektverantwortung

Projektleitung: PD Dr. Philipp Namberger (Department für Geografie, Ludwig-Maximilians-Universität München)
Projektpartner: Achental Tourismus, Alpenregion Tegernsee Schliersee

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Projektbericht

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