KAMINGESPRÄCH

Zukunft des Tourismus im Landkreis gemeinsam gestalten

Pfaffenhofen an der Ilm I 8. Juli 2026

Wie bedeutend ist der Tourismus im Landkreis Pfaffenhofen und wie kann er sich im oberbayerischen Kontext weiterentwickeln – aber auch: Wohin wollen wir als Region bewusst nicht? Welche Chancen sehen wir, attraktiver für Tagesgäste zu werden, dabei aber den besonderen Charakter unserer Heimat zu bewahren?

Die Zukunft der Region entsteht im Miteinander. Deshalb haben wir gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Tourismuspraktikerinnen und -praktikern aus dem Landkreis Pfaffenhofen Ideen, Chancen und Herausforderungen diskutiert. Durch den Austausch verschiedener Perspektiven und Erfahrungen konnten neue Impulse für die touristische Weiterentwicklung des Landkreises gesetzt werden.

Das Kamingespräch wurde in Kooperation mit dem Tourismusverband Oberbayern München e.V. sowie dem Kommunalunternehmen Strukturentwicklung (KUS) Pfaffenhofen a. d. Ilm im Bürgerhaus in Scheyern veranstaltet.

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Referent aus der Wissenschaft

Prof. Dr. Alfred Bauer

Vorsitzender

Bayerisches Zentrum für Tourismus e.V.

© Daniel Biskup

Kernaussagen

BZT-Studie: Tagesausflugsverhalten der bayerischen Bevölkerung (2023)

  • 87 Prozent der Befragten haben im Jahr 2023 mindestens einen Tagesausflug unternommen.
  • Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der unternommenen Tagesausflüge ab.
  • Die häufigsten Motive für Tagesausflüge sind Aktivitäten wie Wandern, Radfahren, Skifahren, Baden etc. (60 Prozent), die Besichtigung von Attraktionen/ Sehenswürdigkeiten (54 Prozent), der Besuch von Familienmitgliedern, Bekannten oder Verwandten (53 Prozent) sowie Shoppen/ Einkaufen in einer anderen Stadt (47 Prozent).
  • Die meisten Tagesausflüge werden am Wochenende unternommen, insbesondere samstags (75 Prozent) und sonntags (61 Prozent). Personen zwischen 18–29 Jahren sowie zwischen 60–74 Jahren unternehmen häufiger auch an Wochentagen Tagesausflüge.
  • Die wichtigsten Verkehrsmittel für Tagesausflüge sind das eigene Auto (84 Prozent) oder die Bahn (30 Prozent).
  • Die meisten Tagesausflüge reichen bis zu einer Entfernung von 50 Kilometern (21 Prozent), bis 75 Kilometern (15 Prozent) oder bis 100 Kilometern (32 Prozent); ein Viertel (25 Prozent) legt mehr als 100 Kilometer zurück.

dwif-Tagesreisemonitor (2020)

  • Aus dem Quellgebiet der Stadt München wurden rund 55 Millionen Tagesreisen unternommen; davon zählen 49,1 Millionen zu den Tagesausflüglerinnen und -ausflüglern und 5,4 Millionen zu den Tagesgeschäftsreisenden.
  • Die durchschnittlichen Ausgaben der Tagesreisenden betragen 35 Euro pro Person.
  • Tagesausflüge aus dem Quellgebiet München konzentrieren sich bislang überwiegend auf den oberbayerischen Südkorridor.
  • Die wichtigsten Motive sind Besuche bei Verwandten und Bekannten (37 Prozent), Gastronomiebesuche (33 Prozent) sowie Erholungs- und Spazierfahrten (31 Prozent).
  • Tagesausflüge verteilen sich weitgehend gleichmäßig über das Jahr, mit leicht höheren Anteilen in den Sommermonaten.

BZT-Studie: Bleisure-Reisen deutscher Geschäftsreisender (2026)

  • Bereits 67 Prozent der befragten Geschäftsreisenden haben eine Geschäftsreise um mindestens eine private Übernachtung verlängert.
  • Dies entspricht rund 10 Millionen Bleisure-Reisenden in Deutschland; zusätzlich besteht Potenzial von weiteren 9-10 Millionen Personen.
  • Besonders häufig werden MICE-Geschäftsreisen mit privaten Aufenthalten verlängert; sie sind Auslöser für 55 Prozent aller Bleisure-Reisen. Am häufigsten betrifft dies Seminare, Schulungen und Weiterbildungen (22 Prozent), klassische Geschäftstermine (17 Prozent) sowie Kongresse, Tagungen, Konferenzen, Symposien (15 Prozent).
  • Die meisten Bleisure-Reisenden sind allein unterwegs (65 Prozent). Nur jeder Fünfte wird von Kolleginnen und Kollegen oder der Partnerin/ dem Partner begleitet.
  • Während des privaten Aufenthalts stehen Erholung und Entspannung (38 Prozent), Sightseeing und Stadtbesichtigungen (36 Prozent), Einkaufen/ Shopping (35 Prozent), Gastronomiebesuche (28 Prozent) sowie der Besuch kultureller Einrichtungen/ Veranstaltungen (22 Prozent) im Vordergrund.
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Referenten aus der Praxis

Annegret Lange

Themenbereichsleitung Lebensraum- & Destinationsmanagement

Kommunalunternehmen Strukturentwicklung
Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm

© Franzi Märkl

Kernaussagen
  • Vision des KUS: „Wir gestalten den Landkreis Pfaffenhofen als lebendigen Erlebnis- und Freizeitraum, der Einheimische und Gäste gleichermaßen begeistert. So steigern wir die Wirtschaftskraft und verbessern die Lebensqualität vor Ort. Durch enge Vernetzung und partnerschaftliche Zusammenarbeit halten wir Natur, Kultur und Wirtschaft im Gleichgewicht und bereichern langfristig unseren Landkreis.“
  • Das KUS verbindet Wirtschaftsförderung, Lebensraummanagement und Destinationsmanagement mit dem Leitgedanken, dass sich die Lebensqualität für Einheimische und die Attraktivität für Gäste gegenseitig beeinflussen.
  • Radfahren, Wandern, Hopfenanbau, historische Ortskerne, kulturelle Angebote sowie Feste und Traditionen prägen das Profil der Erlebnisregion.
  • Das Radfahren bildet das touristische Leitprodukt mit einem rund 700 Kilometer umfassenden Radwegenetz und 30 Themenrouten. Auch der Alltagsradverkehr gewinnt an Bedeutung und wird durch ein Radverkehrskonzept des Landkreises gezielt gefördert.
  • Auch Wandern ist ein wichtiger Baustein der Erlebnisregion mit über 320 Kilometern Wanderwegen und 45 Themenrouten.
  • Das KUS nimmt sich zur Aufgabe, die Alleinstellungsmerkmale der Erlebnisregion Pfaffenhofen – Rad, Wandern, Hopfenanbau und Kulturangebote – miteinander zu verbinden, sichtbar zu machen, Kommunen, Betriebe, Vereine und Gastgeber zu vernetzen und den Landkreis als Lebens- und Erlebnisregion weiterzuentwickeln.

Oswald Pehel

Geschäftsführung

Tourismus Oberbayern München e.V.

Kernaussagen

Bedeutung des Tourismus für Oberbayern

  • Der Tourismus in Oberbayern generiert einen Brutto-Gesamtumsatz von rund 17 Milliarden Euro und einen Einkommensbeitrag von acht Milliarden Euro.
  • Rechnerisch sichert der Tourismus damit den Lebensunterhalt von rund 180.000 Personen.
  • Oberbayern verzeichnet jährlich rund 55 Millionen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, rund 22 Millionen VFR-Übernachtungen („Visiting Friends and Relatives“) sowie rund 207 Millionen Tagesreisen.

Tourismuswertschätzung und -akzeptanz

  • Tourismuswertschätzung beschreibt die Anerkennung der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung des Tourismus und soll dessen Mehrwert für verschiedene Interessengruppen – Einheimische, Gäste, Unternehmen und Politik – sichtbar machen.
  • Laut dwif (2025) besteht in Oberbayern kein flächendeckendes Tourismusakzeptanzproblem. Die Bevölkerung bewertet den Tourismus überwiegend positiv und erkennt dessen Bedeutung für die Region an: 87 Prozent leben gerne in einer für Gäste attraktiven Region.
  • Das Tourismusaufkommen wird mehrheitlich als angemessen wahrgenommen (62 Prozent), auch wenn die Einschätzungen zwischen einzelnen Orten variieren.
  • Die oberbayerische Wertschätzungskampagne fokussiert sich auf Einheimische, hat das zentrale Ziel, die Tourismusakzeptanz zu fördern und stellt dabei Tourismusakteure aus der „zweiten Reihe“ vor.
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Ergebnisse der Workshops

Um die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, wurde das Auditorium in zwei Workshopgruppen unterteilt, in welchen jeweils Fragestellungen in Bezug auf den Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm zu den Themenschwerpunkten “Stärken und Potenziale“, „Zukunft des Tagestourismus“ sowie „Einzugsgebiet Pfaffenhofen a. d. Ilm – Herkunftsgebiete heutiger Tagesgäste und Potenziale zukünftiger Quellmärkte“ diskutiert wurden. Im Anschluss wurden die Resultate der Diskussionen von jeder Workshopgruppe im Plenum vorgestellt.

Die Ergebnisse der Workshops lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Stärken und Potenziale

  • Weiher, Freibäder und Seen
  • Gute Infrastruktur und Verkehrsanbindung
  • Nähe zu Metropolen (z. B. München) und zum Flughafen
  • Natur- und Waldflächen
  • Vielfältige Freizeitmöglichkeiten
  • Hopfen und Hopfenerlebnisse
  • Natur- und Kulturerlebnisse
  • Museen, Klöster und historische Kleinstädte
  • Kostenvorteile gegenüber München
  • Tertiäres Hügelland als prägender Landschaftsraum
  • Kleinteilige dörfliche Strukturen und kurze Wege
  • Attraktive Landschaft
  • Gute Gastronomie
  • Rad- und Wanderwege
  • Kulturelle Angebote und kulturelle Veranstaltungen (z. B. Fraundult, Barthelmarkt)
  • Wohnmobilstellplätze
  • Zentrale Lage zwischen München, Augsburg, Regensburg und Ingolstad
  • Attraktives Radwegenetz
  • Gute Sichtbarkeit auf Online-Plattformen
  • Ruhe, Natur und gute Luft
  • Shopping
  • Kultur
  • Sport
  • Klöster, Schlösser, Lost Places stärker erlebbar machen
  • „Storytelling“ ausbauen
  • Lage im „Städtedreieck“ (Augsburg, Ingolstadt, München) stärker nutzen
  • Neue Erlebnisformate/ Events entwickeln (z. B. Stadtführungen, Bierverkostungen, „Nachts im Museum“ etc.)
  • Jüngere Zielgruppen gezielter ansprechen
  • Entwicklung neuer, innovativer Angebotsformate für junge Reisende (Stichwort: „Krimidinner“)
  • Potenzial der direkten Bahnverbindung München–Pfaffenhofen stärker touristisch nutzen
  • Angebote stärker bündeln und vernetzen
  • Regionsübergreifende Angebote fördern
  • „Meet the local“
  • Vielfältiges Angebot durch eine ausreichende Anzahl kleiner Attraktionen
  • Schönheit der Landschaft
  • Gastfreundliche und erlebenswerte Region
  • Lage zwischen „Metropolen“ und das gut ausgebaute ÖPNV-Netz = gute Erreichbarkeit
  • Naturverträglicher Tourismus (Neue Konzepte müssen von Beginn an entsprechend mitgedacht werden)
  • Die Hallertau und ihre Hopfenkultur
  • Erlebnistage für spezielle Zielgruppen
  • Profil als „sanfte, ruhige, ländliche“ Region
  • „Gen Norden“: Positionierung des Landkreises als attraktive Ausflugsalternative für Münchner Tagesgäste (bislang überwiegender Fokus auf den oberbayerischen Südkorridor)
  • Prüfung und Etablierung eines einheitlichen touristischen Markennamens bzw. einer Dachmarke sowie Festlegung einer zentralen Steuerungs- und Koordinierungsfunktion durch das KUS.
  • Ausbau themenbezogener Kooperationen zur Entwicklung integrierter touristischer Erlebnisangebote und einer stärkeren gemeinsamen Vermarktung der Region.

Zukunft des Tagestourismus

Beide Workshopgruppen befürworten eine gezielte Weiterentwicklung des Tagestourismus.

  • Tagestourismus stärkt die regionale Wirtschaft und Wertschöpfung.
  • Gäste tragen zur Attraktivität und zum „Lebenswert“ des Landkreises bei.
  • Neue Zielgruppenpotenziale, z. B. im Gesundheits- und Wellnesstourismus, können erschlossen werden.
  • Da Tagestourismus bereits heute stattfindet, sollte er aktiv, strategisch und qualitätsorientiert weiterentwickelt werden.

Hohe Priorität:

  • Aktiv- und Naturgäste
  • Familien- und Freizeitausflügler
  • Kultur- und Entdeckungsgäste
  • Geschäfts- und Bleisure-Gäste

Keine Priorität:

  • Stark standardisierte (Bus-)Rundreisegruppen („Europa in zehn Tagen“)

Neue Potenziale:

  • Medizin-/Gesundheitstourismus (z. B. „Check up’s“)
  • Themeninteressierte (internationale) Gäste (z. B. Bier- und Hopfenkultur)
  • Mehrtägige Bustourismus-Angebote insbesondere außerhalb der Wochenenden
  • Vergleichsmaßstäbe sollten sich an Regionen mit ähnlichen strukturellen Voraussetzungen orientieren und nicht ausschließlich an anderen bayerischen Kommunen
  • Erhöhung des Freizeitwertes
  • Einführung einer Gästekarte
  • Förderung von Bleisure-Reisen (z. B. durch Angebote für Firmen sowie attraktive Freizeitangebote, die im Buchungsprozess bereits frühzeitig kommuniziert werden)
  • Verbesserung des ÖPNV, insbesondere der Busverbindungen
  • Stärkere touristische Zusammenarbeit innerhalb der „Region 10“

Einzugsgebiet Pfaffenhofen a. d. Ilm – Herkunftsgebiete heutiger Tagesgäste und Potenziale zukünftiger Quellmärkte

  • München
  • Ingolstadt
  • Regensburg
  • Augsburg
  • Schrobenhausen
  • Dachau
  • Freising
  • Augsburg
  • Nürnberg
  • Eichstätt
  • Hallertauer Umland
  • Region entlang der Bahnachsen zwischen Pfaffenhofen und Regensburg, Ingolstadt, Augsburg und München
  • Die heutigen Tagesgäste stammen überwiegend aus den umliegenden Städten und deren Verflechtungsräumen.
  • Die größten Wachstumspotenziale werden im erweiterten regionalen Nahmarkt gesehen.
  • Die zentrale Lage zwischen den urbanen Zentren Bayerns (Nürnberg, Regensburg, Ingolstadt, München, Augsburg) sowie die gute Erreichbarkeit stellen wichtige Standortvorteile dar.
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Fazit

Das Kamingespräch hat gezeigt, dass der Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm aus Sicht der Teilnehmenden über sehr gute Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Entwicklung des Tagestourismus verfügt. Ein gemeinsames Zukunftsbild besteht in einer aktiv gestalteten, qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Tourismusentwicklung, die auf den bestehenden Stärken der Region – insbesondere Natur, Kultur, Hopfen, Kulinarik sowie Rad- und Wanderangeboten – aufbaut. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht möglichst viele Gäste, sondern passgenaue und authentische Angebote, die sowohl die Attraktivität der Region für Gäste als auch die Lebensqualität der Einheimischen stärken. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden die stärkere Vernetzung und Bündelung bestehender Angebote, deren bessere Sichtbarkeit und Vermarktung, die Verbesserung der Erreichbarkeit sowie die gezielte Ansprache geeigneter Zielgruppen identifiziert. Ziel ist es, die Position des Landkreises als lebenswerte und erlebbare Region weiter zu stärken und den bereits vorhandenen Tagestourismus strategisch, nachhaltig und qualitätsorientiert weiterzuentwickeln.

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